Archiv für März 2010
Altenburger Land, Westsachsen und Erzgebirge
Meine erste Ausfahrt über circa 115 km fand am 21.03.10 statt. Ich wollte mit Absicht weder gleich ins Erzgebirge fahren noch die kleinsten und verwunschensten Seitenstraßen befahren. Die “Eindrücke” des Winters sind noch allgegenwärtig. Große Straßen und eine milde Gegend erschienen mir zuverlässiger.
So startet ich in Wilkau, nahm Kurs auf Hartenstein/A 72 Zwickau-Ost und fuhr auf die Umgehungsstraße von Härtensdorf in Richtung der B 93/A 4. Diese Umgehungsstraße kann man als durchaus reizvoll bezeichnen. In Crossen fuhr ich auf die B 93 in Richtung Altenburg. Ab Meerane ließ auch der Autobahncharakter dieses B 93-Abschnittes nach. Es wurde ländlich. Bis vor Altenburg hielt ich diese Richtung bei und bog kurz vor Altenburg in die Richtung B 180/Waldenburg/Rochlitz ab. Gemächlich über Land, am Flugplatz Nobitz vorbei, erreichte ich Waldenburg. Auf der B 180 bleibend, die Zwickauer Mulde überquerend und leider den schönen Blick auf Waldenburg im Rücken erreichte ich Callenberg, den Sachsenring, Hermsdorf und Oberlungwitz. Hier bog ich auf die ebenfalls nicht reizlose B 173 ab und fuhr in Richtung Heimat. Über Lichtenstein und Zwickau erreichte ich Wilkau-Haßlau. Den Innenstadtverkehr von Zwickau schenkte ich mir. Ich schlich mich über Reinsdorf, Reinsdorf-Wilhelmshöhe und Oberhohndorf nach Hause.
Nach den ersten 115 km des neuen Jahres ohne Pause tat mir der Hintern weh. Aber ich war glücklich.
Motorradtour im Altenburger Land
Motorradtour im Altenburger und Kohrener Land
Mehr zum Altenburger Land sowie einer empfehlenswerten Reise zur ehemaligen Heuersdorfer Kirche und anderen empfehlenswerten Ausflugszielen unter der Kategorie “Motorradtourismus und Motorradzeitgeschehen” dieser Blogseite sowie auf meiner Homepage.
Motorradtourismus hier im Blog
Meine zweite Ausfahrt über circa 105 km ging in die andere Richtung. Auch im Westerzgebirge sollte eigentlich keine böse Überraschung mehr drohen. Ich schwang mich in den Kawa-Sattel und fuhr die B 93 bis Schneeberg. Dort bin ich auf die B 169 in Richtung Aue abgebogen und nutzte von dort die B 101 in Richtung Schwarzenberg. Da das alles Orte und Bundesstraßen sind, die man im Berufsverkehr meiden sollte (und ich zu dieser Zeit unterwegs war), wurde es Zeit, daß ich da wegkomme – jedenfalls, bevor ich einen Koller bekomme. Ich fuhr ab Schwarzenberg nach Bernsbach und über schöne kurvenreiche Höhen bis Beierfeld/Grünhain. Es war diesig, aber dennoch war der Blick ins Gebirge schön. Von den Höhen des Spiegelwaldes vor Grünhain war die Sicht dann noch beeindruckender. Diesen Tourabschnitt genieße ich immer wieder. In Grünhain bog ich nach dem Kloster ab nach Elterlein. Dort lag noch richtig viel Schnee im Wald. Die Straße war in gutem Zustand nach dem Winter und trocken, die Sonne schien mild von oben herab – und im Wald lag jede Menge Schnee. Herrlich! Ich fuhr dann nach Schwarzenbach (Mühle mit Bäckerei) und weiter nach Raschau (schöne Mühle). Von dort machte ich einen Abschnitt nach Markersbach (Viadukt, Pumpspeicherwerk). Ich wollte sehen, wie weit der Bau der Talüberquerung der Umgehungsstraße ist (noch nicht fertig!). Ich fuhr auf der B 101 zurück zum Ortseingang von Schwarzenberg und bog ab nach Waschleite.
Ich fuhr im Tal des Baches bis nach Waschleithe, passierte den Katharina-Gasthof und den Bikertreff “Boxenluder”, die Freiluft-Miniaturausstellung “Heimatecke” und verließ den Ort wieder am Gasthof Osterlamm. Es lag wieder Schnee links und rechts der Straße, und zwar ordentlich. Es war eine die Sinne ansprechende Fahrt. Es roch nach Waldboden, nach Nadelbaum und nach nassem Erdreich. Überrascht war ich, daß man sogar die Bäche riechen konnte. Die vom Tauwetter übervollen Gebirgsbäche verströmten den Duft von kaltem, frischem Wasser. Das nimmt man im Auto definitiv so nicht wahr.
Über Grünhain und noch einmal über die Spiegelwaldhöhen (Aussichtsturm) nahm ich die Bergabserpentinen von Oberpfannenstiel hinunter nach Aue in Angriff. Dabei hatte ich noch einmal die herrliche Spiegelwaldaussicht in Fahrtrichtung vor mir.
Die Schlußetappe sah wie folgt aus: Aue – Talüberführung Alberoda – Hartenstein – Wildenfels – Schönau – B 93 – Wilkau-Haßlau.
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Wer macht den Anfang … und diesen Quatsch nicht mehr mit?
Seit circa 1980 stellen wir die Uhr um. Von den Uhrzeitumstellungsversuchen Anfang des 20 Jh. oder während der Zeit des Dritten Reiches will ich mal nicht reden. Ich betone, DIE UHR wird umgestellt! Es ist NICHT die Zeit, die wir umstellen. Auch wenn uns das immer wieder suggeriert wird. Wir haben danach weder mehr noch weniger Zeit zur Verfügung.
“Zeit als solches existiert eigentlich nicht. Denn während wir über die Zukunft nachdenken wird aus der Gegenwart schon wieder Vergangenheit!”
Am Wochenende ist es nun wieder so weit. Bis auf Weiteres, nämlich bis Oktober, klaut man uns eine Stunde und schafft Umstellungsstreß im privaten, gesundheitlichen, wirtschaftlichen und verkehrstechnischem Bereich des ganzen Landes . . . ja, ganz Europas. Der Aufwand, diese Prozedur zweimal im Jahr europaweit durchzuziehen, ist immens. Trotz Atom- und Funkuhren bleibt es ein logistischer Aufwand. Und ich habe noch nicht einmal eine Armbanduhr. Weil ich ein gutes Zeitgefühl habe und seit 30 Jahren keine besitze.
Die Tiere im Wald interessiert dieser menschliche Unfug nicht. Die Tiere der Zivilisation, in den Ställen und auf den Höfen, die können einem Leid tun. Und die Tierbesitzer, die Bauern, gleich mit. Die können vor lauter Arbeit so schon kaum aus den Augen gucken und müssen ihren Tieren zweimal im Jahr die Zeitumstellung “erklären”.
“Was soll das?”, frage ich mich! Ich weiß, ich lege mich jetzt mit Sicherheit mit einem Großteil der Menschen an (oder doch nicht?). Aber ich muß das ernsthaft hinterfragen. Es ist Frühling, nach einem langen und sonnenarmen Winter. Ich freue mich, daß es jetzt allmählich morgens heller und freundlicher wird, jeden Tag ein Stückchen mehr. Und was machen wir? Wir unterbrechen diese aufkommenden Frühlingsgefühle am Morgen. Dabei ist es doch schön, den täglich freundlicher werdenden Morgen zu genießen. Der Mensch braucht diese Sonnenstrahlen, auch und besonders Früh. Es gibt in unserem Land immer noch Menschen, die Früh raus müssen. Und die freuen sich darüber! Ich bin Schichtarbeiter, Dreischichtarbeiter mit Wochenendarbeit. Mein Biorhythmus ist verkorkst. Auf zusätzliche und künstlich geschaffene Belastungen kann ich gern verzichten. Ich brauche die Helligkeit und vor allem auch die Wärme am Abend nicht, wenn ich Frühschicht habe, denn da stehe ich 4.00 Uhr auf und bin 21.30 Uhr im Bett. Zumindest habe ich das vor, die Sommerzeit ist dabei hinderlich. Eltern mit Kindern sehen es sicher ähnlich. In der Spätschicht habe ich auch nichts davon, da bin ich 22.00 Uhr daheim. Und in der Nachtschichtwoche? Da ist´s völlig Wurscht. Aber in allen drei Schichten habe ich Bedarf an der Morgensonne. Ein erster kleiner Vorgeschmack im März wird Ende des Monats jäh unterbrochen.
Ich will hier nicht auch noch in eine eh strapazierte Kerbe hineinschlagen. Aber der Spruch „Hartz Vier und der Tag gehört Dir“ passt bei diesem Thema sehr!
Wer erklärt Kindern, daß es Zeit ist, ins Bett zu gehen? Die Sonne scheint und wärmt noch bis 22.00 . . . 23.00 Uhr. Und in der Ferienzeit fliegen eh alle in den Süden (ich nicht). Dort im All-Inclusive-Urlaub nützt denen unsere Sommerzeit sicher sehr viel
Ich brauche diese Sommerzeit nicht. Nicht ansatzweise so, wie es mir lieber wäre, daß es bliebe wie es ist. Ich fühle mich wie erschlagen nach der Uhrumstellungen – und nicht nur ein, zwei, drei Tage. Sondern richtig lange. Eigenartiger Weise habe ich diese Probleme im Oktober nicht. Da passt sofort alles. Das kann doch keine Einbildung sein?
Wenn´s nach mir ginge: laßt den Quatsch sein!!!
Der Bismarckturm auf dem Kemmler bei Plauen
Eigentlich sollte an diesem Wochenende die erste Motorradausfahrt (Schnupperkurs) des neuen Jahres sein. Da das Wetter nicht mitspielte und die erste Ausfahrt auch nicht gleich bei Regen stattfinden muß, sind wir auf das Auto umgestiegen. Der Weg führte uns nach Plauen, Ortsteile Brand und Oberlosa. Der Bismarckturm auf dem dortigen Haus- und Hofberg Kemmler lockte uns. Der Kemmler befindet sich am südlichen Stadtrand von Plauen, 507 m ist er hoch und ist ein erloschener Vulkan. Und da oben steht der Bismarckturm (Bismarcksäule).
Drei oder vier verschiedene Wege führen zum Turm. Wir haben das Auto in Brand abgestellt, sind dann von dort durch den Wald zum Gipfel gelaufen und über Oberlosa zurück zum Auto (weiß-grünes Wanderzeichen). Eine wunderbare, dünnbesiedelte und weitläufige Landschaft umgibt Brand und Oberlosa. Leider war das Wetter nicht unbedingt Fernsicht- oder Fotowetter. Aber was soll´s.
Der Turm ist etwa 18 m hoch, überdacht und wurde 1902 errichtet. Im Vergleich zu unserem Ausflug zum Glauchauer Bismarckturm vor einem Jahr ist der Kemmler eine eher kleine Bismarcksäule. Der Glauchauer B´turm ist der höchste in Deutschland. Siehe dazu Wissenswertes auf meiner Homepage.
Der Turm ist im Inneren düster und nach dem kalten und langen Winter sehr feucht. Der einsetzende Frühling brachte den Turm regelrecht zum schwitzen. Geöffnet ist er täglich bis Einbruch der Dunkelheit. Der Eintritt ist frei.
Hinweis für interessierte Motorradfahrer: Um den Aufstieg in Bikerkluft nicht zur Strapaze werden zu lassen, ist der Weg zum Turm ab Oberlosa, Alte Plauener Straße, der empfehlenswerteste (nämlich der kürzeste). Als Orientierungspunkt dient der Mast einer großen Gemeinschaftsantennenanlage, die allerdings auf an der anderen Straßenseite gegenüber steht.
Mehr zu den Bismarcktürmen in unserer Gegend sowie den empfehlenswerten Ausflugszielen unter der Kategorie (Menüpunkt) “Tour- und Ausflugstips” dieser Blogseite.
Wissenswertes auf meiner Homepage
… und tschüß!
P.S.: Die erste Motorradausfahrt des neuen Jahres fand dann doch noch statt. Aber erst in der kommenden Woche und allein, Bikerbiest mußte arbeiten
Dor säggs´sche Dialeggt ganz eefach erklärt . . .
“Du solltest einmal hören, mit welcher Gewandtheit ein sächsisches Mädchen auf Fragen antwortet. Unsere maulfaulen Brandenburgerinnen würden Stunden brauchen, um abzuthun, was hier in Minuten abgethan wird.” (Heinrich von Kleist, 1777 – 1811)
Am Anfang war ein Blogbeitrag. Dann wurde die Idee geboren. Stilistisch verfeinert und umfangreich ausgebaut wurde aus diesem Beitrag ein Buch zum Thema. Mehr dazu unter folgendem Link:
Schauen wir in die Geschichte der Mark Meißen. Ab 928/30 gab es eine Ortschaft Meißen mit Burg. Noch vor dem Jahr 1000 fanden hier erste Münzprägungen statt. Aus einem Bischofsitz entstand das Bistum Meißen. Nachdem hier verschiedene Adelsgeschlechter herrschten, war Heinrich I. von Eilenburg der erste Wettiner, der mit der Mark Meißen belehnt wurde. Auch als Konrad (der Große) von Wettin und sein Sohn Markgraf Otto (später der Reiche) dieses Stück Land im heutigen Mitteldeutschland vom Kaiser als Reichslehen bekamen und die Markgrafschaft Meißen weiter stabilisierten, besiedelten und in der zweiten Hälfte des 12. Jh. zu einem ersten Aufblühen brachten, sprach in diesem Landstrich noch niemand von den Sachsen. Die damaligen Ostgebiete des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren weitgehend unbesiedelt. Sachsen war am ehesten das Gebiet des heutigen Niedersachsens, noch eher des nördlichen Niedersachsens an der Nordsee und um Lübeck. Im Nibelungenlied, das etwa im Zeitraum des zweiten bis vierten Jahrhunderts spielt, kommt das ebenfalls zum Ausdruck. Das erklärt auch den aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlichen Begriff der Angelsachsen. Die Sachsen versuchten damals den Küstenstreifen des heutigen Südengland zu besiedeln (Angelsachsen >> Engländer). Durch Völkerwanderungen, Besiedlungszüge und Eroberungskriege verschob sich das Terretorium der Sachsen von den damaligen sächsischen Gebieten über das heutige Sachsen-Anhalt bis in das heutige Sachsen in Mitteldeutschland. Die Wettiner als sächsische Stammherrscher brachten es von einer Markgrafschaft über ein Kurfürstentum bis zu einem bedeutenden Königreich. Gleichzeitig stellten sie unter August dem Starken den polnischen König und bildeten viele Jahrhunderte auch die thüringischen Herrschaftslinien – mit Zweiglinien bis hinunter in fränkische Herrschaftshäuser (zum Bsp. Coburg). Übrigens, die wettinische Stammburg befindet sich im heutigen Sachsen-Anhalt und liegt an der Saale.
Der letzte sächsische König war ein kinderreicher, geschiedener und sehr volksnaher König. Die beiden letzten in die Geschichte eingegangenen Aussagen von ihm sind geschichtlich nicht belegt. Dennoch halten sie sich hartnäckig und würden zu diesem im Volk beliebten König passen. Auf die Nachricht, daß im Volk eine Revolution ausgebrochen ist, fragte er: Därfn die´n das? Und auf den Sturz der Monarchie zwischen dem Ende des ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik, bei dem er als König abdanken mußte: Macht doch eiern Dreck alleene. 
Die Besiedlung des heutigen Sachsens im 12. Jh. geschah auf Erlaß des Markgrafen mit ettlichen Versprechen auf Erleichterungen und Vergünstigungen. Manche konnten eingehalten werden, manche nicht. Dafür waren die Zeiten einfach zu unsicher. Während vom Osten die Slawen das Land bevölkerten, waren es vom Süden her meistens fränkische Umsiedler. Auch Ausgrabungen alter Flieh- und Ringwallburgen sind meistens slawischen Ursprungs. Die sächsische Hauptstadt Dresden entstand aus einem wendischen Fischerdorf. Die Brüder Markgraf Ottos des Reichen verfuhren auf ihren Ländern mit der Besiedlung ähnlich (zum Bsp. Markgraf Dietrich von Landsberg/Lausitz, Graf Dedo der Feiste von Groitzsch und Rochlitz). Überhaupt spielten die heute über 1000 Jahre alten Orte wie Meißen, Rochlitz, Bautzen oder Altenburg eine herausragende Rolle – ebenso wie die Klöster oftmals Vorreiter der Besiedlung gewesen sind (Wechselburg, Altzella, Chemnitz, Grühnhain). Dresden spielte noch lange nicht die erste Geige im Lande.
Die slawischen Völker (Sorben, Wenden), besonders ab Dresden östlich und nordöstlich der Elbe, prägten ihren Landstrich bis heute. Der Raum um Bautzen und Kamenz ist besonders sorbisch geprägt und immer noch zweisprachig. Von Süden her bezeugen Ortsnamen wie Frankenberg, Frankenau oder Frankenstein den fränkischen Ursprung der Besiedlung. Somit ist das heutige Sachsen ein ehemals bunter Haufen und ein über jahrhunderte entstandenes Völkchen mit vielerlei Einflüssen. Und ebenso gibt es nicht DEN SÄCHSISCHEN DIALEKT, sondern einen historisch gewachsenen Dialekt mit vielen Einflüssen.
Es gibt im heutigen Sachsen mindestens drei große Dialekte: das Dräsdner Säggs´sch, das Leipz´cher Säggs´sch und das Säggs´sch um Chemnitz (ehemals Gorl-Morks-Stodt). Wenn dann aber noch der Einfluß des Erzgebirges oder des Vogtlandes die Oberhand gewinnt, ist es mit dem Überblick schnell vorbei. De Leipz´cher sprechen zum Bsp. zu allem Übel als eenzche Saggsn kee rischtsches “K”. Die meinen zwar “K”, aber spreschen tun die ä “G”. Im Wort macht das zwar fast jeder Sachse (Bägger oder Bäggor statt Bäcker), aber gleich zu Wortbeginn geben sich die meisten noch Mühe. Und da sind die Leipziger einsame Spitze. Da heißt es dann so:
Gaiser Garl gonnte geene Gümmelkerne gauen. Aber Gäsegeulchen gonnt er gatschen
Oder: Gaiser Garl gullert mit dem Gohlneemer de Gellertreppe nunner
Die Erzgebirger und die Vogtländer (De Arzgebirger un de Vuchtlander) wiederum sprechen ein “a” wo ein “e” hingehört oder ein “u” wo ein “o” zu hören sein müßte. Im Erzgebirge (im Arzgebirg, die Arzgebirger) wird das zum Beispiel beim Festessen “weihnachtliches Neinerlaa (Neunerlei)” oder “dem Vugelbeerbaam (Vogelbeerbaum)” deutlich. Ähnlich ist es im Vogtland (Vuchtland, de Vuchtlander). Dort gibt es zum Thema “a, o, u, e” einen schönen Schüttelreim:
Im Vuchtland, wo de Hosen Husen haßen – un de Hasen Hosen haßen
Alles klar soweit?
Zu den Vogtländern ist aber ohnehin zu sagen, daß man sich primär als “Vuchtlander” sieht und dann erst als “Saggse” oder Thüringer. Ebenso sind die Erzgebirger vordergründig “Arzgebirger” und dann erst “Saggsn“. Im Zwickauer Raum verzichtet man zum Beispiel gern auf Endungen. So wird aus der Mutter de Mutt, aus dem Bruder d´r Brud, aus dem Bäcker d´r Bäck usw.
Was macht aber nun den sächsischen Dialekt aus? De Saggsn tun und machen zum Beispiel unheimlich viel. Der Sachse liest nicht, er tut lesen. Er spielt nicht Federball, er tut Federball spielen. Er schmiert und belegt nicht seine Arbeitsschnitten, er macht seine Bemmen. Selbst wenn der Sachse gerade nichts macht, dann tut er nichts machen. Selbst auf dem Klo, dort macht er groß oder klein. Die sächsische Sprache lebt auch von vielen lang gezogenen Wortlauten, denen je nach Region ein gewisser gemütlicher Singsang innewohnt. Ein Beispiel ist das Wort Lehm/Lähm/Löm: was hier geschrieben noch Unterschiede offenbart, ist in der Aussprache alles gleich und der Sinn nur im Zusammenhang zu erkennen. Der Lehm (Lehm), das Lähm (Leben) und die Lööm (Löwen) sind ja nun doch dreierlei paar Schuh. Das Lähm mußte nähm, wie´s Lähm ähm is. Die Einzahl der Lööm ist der Leewe (Löwe). Und der Leewe heeßt Leewe, weil er durch de Wüste leewt. Der Satz ergibt ja im Hochdeutschen noch einen Sinn: der Löwe heißt Löwe, weil er durch die Wüste läuft. Schwieriger ist das beim Fert (Pferd): das Fert heeßt Fert, weil´s fährt. Und das stimmt nicht. Denn kein Pferd fährt! Wunderbar in die Länge ziehen läßt sich auch das Wort Zieche (Ziege): Es gibt die Milchzieche, die Gebirgszieche und den Ziechenbock. Es gibt aber auch die Zieche (Züge) in anderer Bedeutung: Schnellzieche, Güderzieche oder Bummelzieche. Das Wort Diere (Tiere/Türe) begegnet uns in ebenso zweifacher Bedeutung: es gibt die Nutzdiere und die Wilddiere. Es gibt aber auch die Wohnungsdiere! Nicht sofort sicher ist man bei Hausdiere, denn das kann die Haustüre ebenso wie die Haustiere sein. Paradox ist es allemal, mit den Stalldiern durch die Stalldiere zu gehen.
Das Thema “K” und “G” erwähnte ich oben schon. Ein sächsisches Novum ist auch die Unterscheidung der Mitlaute/Konsonanten in ä hardes (hartes) un ä weeches (weiches) “B” oder “D”. Generationen von kleinen Sachsen bekommen beigebracht, daß ein “P” ein hardes “B” ist, ebenso ist das “T” eben ein hardes “D”. Und Bemme schreibt man eben mit dem weechen “B”. Übrigens: die Steigerung von weich/weech ist babbsch. Noch kurioser ist die Vermittlung des Buchstaben “V”. Ich möchte nicht wissen, wieviele Kinder von ihren Eltern oder Großeltern das “V” als Vogel-F gelehrt bekommen. Da sträubt sich selbst mir alles!
Wunderbar dehnen kann man auch scheen: ä scheenes Mädel, ä scheenes Raachermannel oder es is ehmd eefach scheen draußen. Dem Kunststück, ein Wort gedehnt und dennoch kurz auszusprechen, begegnet man bei Muddi. Zum Bsp.: Meine Muddi geht einkofen. Man dehnt das “u” und spricht gleichermaßen flott das doppelte “d”. De beste Muddi von dor Welt. Dem Saggse fällt es schwer bzw. er bringt es einfach nicht (und sieht auch nicht ein, warum), die Aussprache von “ch” und “sch” zu unterscheiden. Nicht das “ch” bei KRACH oder bei CHEMNITZ. Aber in der Verwendung als Zischlaut. Der Sachse sagt zum Beispiel statt “ich liebe dich”, “ich war das nicht” oder “ich erachte das als nicht wichtig”: isch liebe disch, isch war das nisch oder isch erachte das als nisch wischtisch. Schreiben würden das die meistens sischer rischtisch. Aber beim spreschen gibts keen Unterchied. Die Zischendung “-sch” ersetzt ohnehin oft die Endung “-ig”. Aus der dünnflüssigen Suppe wird dann schnell die dinnflüss´sche Briehe. Die Zwickauer lassen dann noch die Endung der Brühe weg und es heißt enne scheene fettsche Brieh´. Ähnlich ist das bei den Personalpronomen “mir” und “wir”. Im Sprachgebrauch kommt “wir” somit kaum vor. Mir treffen uns übermorschen am Boom vorm Springbrunnen oder Mir fohrn in de Säggs´sche Schweiz. Oftmals wird beim sprechen aus dem “i” sogar ein “o”: Mir Saggsn sin ehmd so, wie mor sin.
Dor Saggse macht viel rum: rumdorn (rumturnen), rumlatschen, rumgiften, rumleiern (jammern) und mehr. Zu vielen Verben mit der Worterweiterung “rum” dann unten. Da fällt mir der kleine Junge im Konsum ein: die Mutter schickte ihn los, Rum für die Rosinen für die Weihnachtsbäckerei zu kaufen. Der Junge im Laden Guudn Daach (Tag), kann´sch Rum kriechen. Sagt die Verkäuferin Nee, hier wird nisch rumgekrochen.
Und als letztes der sächsischen Sprachbesonderheiten: fast in jedem Dialekt gibt es Wörtchen, mit denen man im Gespräch Teilname bezeugt, Satzbrücken baut oder eigene Sätze wie für sich selbst zur Bestätigung beendet. Bei den Sachsen sind das beispielsweise die Wörtchen nu, nu gucke, ei guck, nu ja bzw. na ja oder auch mmh, jaa. Diese Phrasen werden schön langedehnt mit dem üblichen sächsischen Singsang ausgesprochen.
Bevor ich jetzt zu meinem selbst erstellten Duden “Sächsisch – Deutsch” komme, noch ein schöner Witz zum Thema:
Zwei Taxifahrer stehen bei ihren Fahrzeugen. In dem einem sitzen auf der Rückbank schon Fahrgäste. Fragt der eine: Sinn das Tschechen in Dein´m Kupee? Die reden so komisch. Sagt der Andere: Nee, das sinn Preißen, Berliner. Die reden berlinerisch. Meint der erste wieder: Nuja, ich mag das Berlinern nisch so. Aber Bayrisch, Bayrisch klingt schön. Sagt der andere: Bayrisch klingt schön, aber isch höre ooch das Berlinern gärne … `s is eichentlich schade … Was, meint wieder der erste: Was is schade? Naja, meint Ersterer wieder: daß mir Saggsn gar keen Dialeggt ham!
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Meine Wortliste
Ich will hier nicht jedes Wort vom Deutschen ins Sächsische oder umgekehrt übersetzen. Das würde den Rahmen völlig sprengen. Ich will mich auf typische sächsische Ausdrücke beschränken. Die Liste ist sicher unvollständig und wäre selbst in den sächsischen Regionen unterschiedlich. Für Anregungen bin ich dankbar. Worte, die in der Erklärung in Pfeile gesetzt werden (>Wort<) verweisen auf einen ebenfalls von mir vorgestellten Ausdruck. Die Worte in der Einleitung wiederhole ich aber nicht noch einmal!
Äbbelkahn, Äppelkahn, Äbbelgahn: nicht unbedingt Vertrauen erweckendes oder für den Zweck unterdimensioniertes Wasserfahrzeug
ähm, ähmd, nu ähm, na ähmd: eben, na eben, nu eben / bejaende, zustimmende, bestätigende Floskel
ausbaldowern: auskundschaften, ausspionieren, recherchieren, etwas heraus bekommen
babbsch: weich, wabbelig, pappig als Adjektiv / der (dor) Babbsch kann auch ein Substantiv sein, bezeichnend für eine pampige, breiige bis dünnflüssige, schwabblige Masse
Bammbs, Bammbe: die Pampe, siehe auch >dor Babbsch<, hier aber eher Brei oder Mus bezeichnend (oder die als Kinder im Sandkasten mit Wasser und Sand fabrizierte Meierbammbe )
Babuschen: bequeme, ausgetretene Schuhe, meist Hausschuhe und besonders bauchige Pantoffeln / der Begriff Babusche kommt aus dem Orient, hat also nichts mit der russischen Babuschka (Oma) zu tun. Aber die zog auch gern Babuschen an…
Bäbe, Bääbe: Gugelhupf, Sand- oder Rührkuchen in der runden Bääbe-Form (die Napfkuchenform, nicht die Springform), auch mit Marmorierung und Rosinen oder versunkenen Äbblstüggln (Äpfelstückchen)
Babba, dor Babba un de Muddi: Papa und Mutti, die Mutti kommt oben in der Einleitung schon vor, deshalb hier nur am Rande
Bammbs, Bammbe: die Pampe, siehe auch >dor Babbsch<, hier aber eher Brei oder Mus bezeichnend (oder die als Kinder im Sandkasten mit Wasser und Sand fabrizierte Meierbammbe )
Bargblatzwächdor: Parkplatzwächter
Bärschte, de Bärschte, enne Bärschte: die Bürste
Baubudenrülps: mit wenig Stil und Anstand ausgestatteter junger Mann, vom Umgang und dem Stil der Baubude geprägt
Beffstägg, Beffi: vom englischen Beefsteak abgeleitet, ein Fleischklops (gebraten, Bulette, keine Königsberger), in der Jugendsprache abgekürzt “Was ißt´n du?” “Isch nähm das Beffi mit Kortoffelsalad”
Bemme, Bämme: eine Scheibe Brot >Knifte, Rungsen<, kann auch eine belegte Bemme sein, “Kannsch noch ne Bemme essen?”, “Du mußt Dir Deine Arbeitsbemm´ noch schmiern (also >fertsch< machen)”
beschnarschn, beschnorschen, beschnorschn: beschnarschen, etwas im Detail untersuchen, “Das muss´sch mir erscht (erst) ma näher beschnorschn”.
biebsln, Biebselei: knifflige Bastelei, knifflige Reparatur- (z. Bsp. Näh-)arbeit, filligrane Bastelei, “Das war vielleicht enne Biebselei”, “Da mußtsch ganz scheen biebseln”
Birne, de Bärne: für Kopf, auch Rübe genannt
bischbern, büschbern, Gebischper: flüstern, leise ins Ohr… “Was hast´n Du for Geheimnis, bischber mirs ma ins Ohr” / Bischbern kann man auch, wo eigentlich Stille verlangt ist “Was is´n das dort for Gebischper?”, “Hört ihr jetzt ma off mit bischbern! Mir woll´n den Film gucken!”
Bizza: Pizza. Das originelle an diesem Wort ist eine Begebenheit, die ich Anfang der 1990er Jahre in Hartenstein erlebte. In Hartenstein, einer Kleinstadt mit 4000 Einwohnern eröffnete innerhalb kurzer Zeit die vierte Pizzeria. Gehalten hat sie sich nicht. Belauscht habe ich das Gespräch zwischen zwei Frauen auf dem Markt. Deren Sächsisch nahm schon arge westerzgebirgisch-vogtländische Formen an:
´n Daach. ´n Daach. Hast schon gesähe, do macht de vierte Pizzabude uff. Die brauch doch kaa Mensch. Nuja, das wees´sch nisch. Das is mehr was for de gunge Leit. Mir Alten frassen kaane Bizza mehr
bläken, bläk´n, blägen: auch im Sinne von anblägen, jemanden anschreien oder auch jemanden hinterher rufen “Kannste dem ma hinnerher blägen, der is schon fort!”, “Bläg mich nich so an!”
Blämbe, Blembe: übles Getränk
Bliemchenkaffee: Blümchenkaffee, der ist so dünn, daß man das Blümchenmuster auf dem inneren Tassenboden durchschimmern sieht / Bliemchenkaffee kann aber auch der >Muggefugg< sein
Bodehusn: hier ein Beispiel für das typische vogtländische Sächsisch, die Badehosen (aus “a” wird “o” und aus “o” wird “u”)
Boochenlambe: eigentlich die Bogenlampe im Straßenverkehr (Bahnhöfe, Fußgängerzonen usw.), hier aber die Körperhaltung beim gehen und vor allem beim sitzen, hauptsächlich der >Lulatsch< sitzt so bei Tisch (aber nicht nur der), “Gunder, sitz grade! Du hängst am Disch (Tisch) wie so enne Boochenlambe!”
boofen, enne Boofe: boofen: schlafen, forboofen: verschlafen, där booft noch: der schläft noch / meistens auch provisorische Schlafgelegenheiten, in der Säggs´schen Schweiz gibts Boofen (Felsnischen oder -höhlen, die man zum schlafen mit Schlafsack nutzen darf)
Bulgarchn: Bulgarien
Burzelboom: Purzelbaum, Kleinkind-Turnübung, “Komm her, mir üben ma änn Burzelboom. Aber stell Dich nisch wieder so >dappsch< an”.
butzs´sch: aus dem Dräsdner Säggs´sch, von putzig, dollig, hier auch als Ausruf des Erstaunens oder des Seltsamen, “Dies´sch Jahr blieht dor Äppelboom schon im Februar. Das is vielleicht butzs´sch.”
Brädder, Bräddl, Brettl: Bretter aller Formen, Farben und Größen / Fenstorbrädder, Schneidebräddl, Schneebrädd (Schneeschieber), Brädd vorm Kopp / “De >eenzs´schn< Bretter, die nur Bräddl heeßen, sinn de Skier. Wenn de im Windor off de Bräddl un´naus kannst, dann is dor Windor scheen”.
Brotl, Brotel, Brodl: hat nichts mit dem Brot zu tun, es ist ein Brötchen / ein Brötchen ist keine Semmel, sondern das, was dem Berliner eine Schrippe ist (früher ein 5 Pfennig-Brötchen) / an Imbissbuden gibt es zur Wurst eine halbe Semmel, das ist dann auch ein Brötchen bzw. ein Brotl (oder ä Fischbrotl) / eine Semmel ist immer doppelt, das was früher die Groschensemmel oder 10 Pfennig-Semmel war. Der oft gehörte Wunsch im Bäckerladen nach einer Doppelsemmel ist eigentlich Quatsch, weil eine Semmel schon doppelt ist.
Broodkärbschen: Brotkörbchen … mit frischen >Brodln<
dannln, danneln, dor Boom dannlt: Der Weihnachtsbaum nadelt, ist es eine Tanne, dann tannelt er. “Unser Weihnachtsboom doocht (taugt) gar nischt dies´sch Jahr. Erscht is ä >Krippl<, und nu dannlt dor schon”.
dappsch, dabbsch: tappisch, täppisch, ungeschickt, unbeholfen, “Das bringt der nisch. Der hat doch zwee dappsche Foten”.
Däppel, ä Däppl, ä Döppl: ein Töpfchen (große Tasse), “Isch nähme ä Dääpl Dee un ä Däppl >Fleeschbriehe< bitte”
darheem, darheeme, dorheem: daheim, zu Hause, “Mir sinn ausm Urlaub zurück. Abor darheem is doch am scheensten”.
Diecher, ä Diecher, dor Diecher, de Diecher: Tücher, “Daschendiecher, Wischdiecher, Halsdiecher” / kann aber auch der Tiger sein, siehe auch >rumdiechern<, bei Daschendiecher mag jeder selbst entscheiden, ob es ein Taschentuch oder ein Tiger für die Hosentasche ist
diddchen: in eine Flüssigkeit tunken, der Saggse diddcht alles mögliche: Brötchen in die Soljanka, Kuchen oder Stollen in den Kaffee, Brötchen in den heißen Kakao / Bei uns daheim war ein schnelles Sonnabend-Mittagessen heißer Kakao mit >Butterbemm< ode r Butterbrötchen. Mutter und Bruder diddchten gern, mir war das ein Grausen / diddchen sagt man auch, wenn man im Freibad mit jemand derbe Späße treibt “jemanden unterdiddchen”
diggschen, diggschn: schmollen, trotzen, eingeschnappt sein (weiß manchmal selbst nicht warum) “Diggsche, Diggsche ging in Laden, wollt fürn Dreier Käsemaden. Käsemaden gab es nicht, Diggsche, Digsche ärgert sich – Die Diggsche ist hier die diggschnde Person)
Dingerich: Name für eine Person, auf deren Namen man im Moment nicht kommt, die anderen aber wissen, wer gemeint ist / “Wer hattn den Dingerich gesehen”, “Ist der Dingerich schon da?”
Dummdiedelei: zielloser (Freizeit-) Zeitvertreib, nicht unbedingt geistlos oder Schaden anrichtend, aber auch nicht nötig. Wenn ich mit dem Motorrad statt auf direkten Weg aus Freude am fahren einen Umweg in Kauf nehme, dann “fahrsch aus Dummdiedelei ooch gärne ma mit dor Kärche (Kirche) ums Dorf”.
dürrwänstsch, Dürrländer: von dürrer Wanst, hagere Person (eher männlich) “e dürrwänstscher Kerl”, die Person ist ein Dürrländer / dürrwänstsch kann auch für unzureichende, unpassende oder zu sparsame Ausgestaltung oder Bekleidung stehen ” Was hast´n Du bei der Kälte fär dürrwänstsches Fräckl an?”
düschtsch, dischtsch: tüchtig, arbeitsam / Kann aber auch als Umschreibung stehen für einen Schweregrad “Heut is wieder ä düschtsches Scheißwetter!”
Dräsden, Dräsdn: Dresden, meine Geburtsstadt
drangsalieren: böse mitspielen, nicht zur Ruhe kommen lassen, das Leben zur Hölle machen, peinigen, malträtieren / auch Ungeziefer oder Insekten können jemanden drangsalieren, daraus kann dann >piesacken< werden
Eelsoggl: Ölsockel, eine bis in die 1970er Jahre mit Ölfarbe gestrichene Wand in Wirtschaftsräumen, zum Bsp. in der Küche, die Farbe war naß abwischbar und der Sockel reichte bis in etwa 1.60 m Höhe / dor Eelsoggl ist deshalb ein Scherzwort für kleine Erwachsene (meistens Männer) die gerade diese Höhe erreichen (der kleinste Maler in einer Brigade mußte immer den Eelsoggl streichen)
Eemer, Eemor, dor Eemer: der Eimer
Jeder kennt doch sicher den Begriff “in den Eimer schmeißen”, “in den Eimer treten” oder “in die Tonne kloppen” für den Fall, daß etwas weggeworfen werden soll. Demzufolge ist die sächsische Vorstufe “Das is im >Eemor<”. Es ist also kaputt und soll weggeschmissen werden. … Ich hatte Motorradhandschuhe in den Mülleimer geschmissen, weil sie kaputt waren. Die lagen ganz oben drauf. Mein 14 jähriger Sohn war am Mülleimer und sieht sie liegen: Was is´n mit dän Hannschuhn? Warum sind´n die hier drin? Ich: Lass die ma drin liechen. Die sinn im Eimor. Sohn schaut mich ungläubig an. Daß die Eimer liegen, sieht er selbst. Pauls Mutter (nicht aus Sachsen stammend): Kannst Du Dein´m Sohn keine ordentliche Antwort geben? Ich: Abor … abor … (haspel, stotter), hab isch doch”
eenzs´sch, eenzs´sch´artsch: einzig, einzigartig
ega: kommt wahrscheinlich von egal, hat aber nichts mit dem Wort der Gleichgültigkeit zu tun / das Wort steht hier für “immerzu” oder “fortwährend”: “Müßt Ihr mich ega so hänseln?”, “Ega sinn de Kekse alle, wenn ich die Dose ausn Schrank nähme”.
eiforbibsch, nu eiforbibsch: erstaunter Ausruf, nun schau an, nun schau her / auch für erstauntes Zweifeln “Nu eiforbisch nochema, wo habsch denn das nu wieder hingelecht!”
Erdäppel, Ärpern, Ährborn: Kartoffeln, Erdäfel, “Glei is Mittach, dor Mann kommt heem, un isch hab noch nisch ma de Ärpern geschält”
Falle, in de Falle: in dem Sinn das Bett, “Isch geh in de Falle”, “Kinders, es reicht for heite, ihr geht gleich in de Falle!” (dieseAussage trifft meistens nicht auf Zustimmung!!), siehe auch >Kahn<
fänzen, fähnsen: weinen, “ehmd dann, wenn de Drähn gullern”
Färlefanz: Firlefanz, Spittel, wertloser (Mode-) Kram, spittliche Ausstattung / aber auch Albernheit, Kinderei, Torheit, “Was is´n das hier for Färlefanz?”
Fecher, ä Fecher: Feger, Handfeger, kleiner Handbesen / Feger ist aber auch eine flotte Frau mit Männerverschleiß, wahrscheinlich “weil sie die nur so wegfecht”, “Das is ä hibsches Weib näm´an (nebenan), aber ooch ä >dischtscher< Fecher”.
Fenn´g, Feng, Pfenn´g: Pfennig, kleine Währung der ehemaligen Mark (dtsch. Währung), “Isch kann ihnen nisch rausgähm, hamse ni ma en Fen´g ?”
fertsch, ferdsch: fertig / angeblich auch scherzhaftes Synonym für Orgasmus auf säggs´sch: “fertsch!”
fetzt, fetzen, fetzs´sch: das fetzt: das ist super, das gefällt mir, das ist spitzenmäßig / fetzen, fetzs´sch: vom Hocker reisend, mitreisend, begeisternd, “Was is´n das hier for ne Trauermusik? Das soll doch bissl fetzen, habt ihr nischt anners?”, “Spielt ma bissl was fetzs´sches!”
fischelant / Fischelanz: etwas geschickt anstellen, im Geiste helle
Fissemaddenzchn: von Fisimatenten, der Wortstamm hat nichts mit fies zu tun, stammt vom franz. “visitez ma tente” ab / unter napolionischer Besatzung versuchten die Soldaten die einheimischen Mädchen mit den Worten “visitez ma tente” ins Zelt zu locken. Wenn die Mädchen und jungen Frauen am Abend ausgingen, gab die Mutter also den Rat “mach mir keene Fisi ma tenten (Fissemaddenzchn)” mit auf den Weg
flätzen, flädsen: rumlümmeln, zweckentfremdetes sitzen, “Müßt Ihr Euch so offs Sofa flädsen beim Sandmann gucken? In dor guten Stube kammer (kann´mer) sich ooch emol bissl benemm!”
Fleesch, ä scheenes Stigg Fleesch: Fleisch, ein schönes Stück Fleisch
Fleeschbriehe, Fleeschbrieh: Fleischbrühe
Flossen: vorrangig für große Hände, (Klodeckelpfoten), es sind weniger große Füße gemeint
Fluchzeuch, Fluchzeich, Flugzeuch: Flugzeug, leider sprechen wir seit der Wende im westdeutschen Dialekt immer mehr vom Flieger, doch das ist Blödsinn / dor Fliecher (der Flieger) ist die Person, die das Flugzeug fliegt – der Pilot nämlich, ” Flieger, grüß mir die Sonne, grüß mir die Sterne, und grüß mir den Mond…” (Fliegerlied)
forbäbln, forbämbln: ein Kind besonders umsorgt großziehen, am Besten in den Glaskasten setzen, ein Weichei ist das Ergebnis
forgackeiern, forgaggeiern: veralbern, spöttisch betrachtend und hinters Licht führen, anders als beim >forhohnebiebln< steckt hier nicht der “Hohn” im Wort, es ist eher ein lustiges veralbern gemeint, sicher steckt der Wortstamm “Gag” darin oder der “Gag” in Verbindung mit einem “faulen Ei” … eben forgaggeiern
forhohnebibln: veralbern, spöttisch betrachtend und hinters Licht führen, “Isch laß mich doch nisch forhohnebibln! Von Dir nisch, Du…” / im forhohnebibln steckt das Wort Hohn, damit ist forhohnebibln eher gemeint, wenn man sich auf jemandes Kosten lustig macht oder ihn bzw. sie lächerlich hinstellt, “Du willst mich wohl forhonebibln?”,
Fräckl, Fetzen: Fräckl von Frack, Synonym für unpassende oder auffällige Bekleidung, “Was hast´n Du for Fräckl an?”, “Die hat ooch immer de neusten Fetzen oof´m Leib”, legendär auch der Satz bei “Go Trabi, go: Jaqueline, zieh sofort den Fetzen aus!”
freilich, nu freilich: zustimmende Floskel im Gespräch, bejaende Antwort auf Einwände des Zweifels, natürlich/selbstverständlich, siehe auch >nu klar / nu kloar<
friemln, Friemelei: ähnlich dem >biebsln, Biebselei<, bei der Modellbahn oder im Modellbau allg. kann man friemln, eine Deko zurecht friemln, eine besonders schöne Ausgestaltung oder Garnierung der Speisen zurecht friemln “Diese Friemelei is nisch jedermanns Sache. Aber fertsch sieht es scheen aus”
Fummel: filigrane, leicht und billig erscheinende Kleidungsstücke / meistens Kleider, die in Form, Farbe und Verarbeitung Wühltischcharakter haben “Haste die gesehn? Die hat wieder enn Fummel an!” / Meißner Fummel wiederum ist ein filigranes, zerbrechliches und urheberrechtlich geschütztes Backwerk mit geschichtlichen Hintergrund
gäägsch, gägsch: blasses Unwohlaussehen, “Is dir nisch guud? Mußte kotzen? Du siehst so gäägsch aus?”
gääks, gäks, Gäks: Ausruf des Ekels, auch als Substantiv, “Iiihh, gäks! Was´n das for Haufen da? Das is doch Gäkse” (nicht zu verwechseln mit de Gekse (die Kekse).
gauxen, gauxn, gauksen: Schmerzäußerung, weniger ein schmerzvolles aufschreien, eher ein schmerzhaftes wimmern, “Isch habe mir de Rübe eingehauen. Da habsch aber gegauxt.”
Gelichter, Gelichdor: lichtscheue und zweifelhafte Gestalten, ihnen geht man am Besten aus dem Weg (sie kommen ohnehin erst abends “ans Licht”)
Gelumbe: siehe unten >Gesockisch</ auch für Kram, Trödel, wertlosen Krempel, “Isch brauch das Gelumbe nisch. Schmeiß das off de Müllkippe”
Genüche, zu Genieche: Genüge, das kenn ich zu Genüge
Gesockisch, Gesock´sche, Gesocks: Mitmenschen mit Hang zum Assozialen, aus der Bevölkerungsgruppe kommt auch das Sprichwort “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich”
Geställe, Gesdälle, Gestelle: Gestell, hier für eine fragwürdige und Skepsis erregende Konstruktion, “Was is´n das fürn wacklisches Geställe?” / Geställe kann aber auch eine in jeglicher Hinsicht Aufsehen erregende Körperstatur sein, “Haste dän >Lulatsch< gesähn? Där hat ä Geställe!” / Bei einer langbeinigen Schönheit kann das dann auch “ein scheenes Fahrgeställ sein”.
Gewiddorkrigge, Gewiddorgrigge / Räächnschärm: Gewitterkrücke / Regenschirm, “Ohne Gewiddorkrigge geht dor Laipz´schor nisch aus´m Huas”, wie eine Kommentatorin unten bemerkt
gickern, giggern: wahrscheinlich eine Wortkreuzung von kichern und gackern, deshalb betrifft der Ausdruck für kichern sicher auch mehr Mädchen als Jungen “Guck ma nüber zu den zwee kleenen Weibsen. Möcht ma wissen, was die dauernd zu giggern ham?”
Glotzen: Augen, siehe >Guggeln< darunter, kommt meistens in Schimpfkanonaden vor, “Mache de Glotzen off! Kannste nisch läsen, was off dän Schild steht?”
Gliehwärml, Glühwürml, Gliehwierml: Glühwürmchen
Gogelmosch, Gogelmoosch: Der Gogelmosch ist vom Aussterben bedroht! / Gogelmosch bezeichnet ein Durcheinander, dessen Ziel nicht gleich zu erkennen ist. Das kann eine Bastelarbeit sein, eine nicht zu durchschauende Bauanleitung oder das Chaos auf einem Schreibtisch. “Mußte dänn der Schrank unbedingt von IKEA sein? Isch komm nisch klar hier. Das wird ä eenzs´scher Gogelmoosch”.
Guggeln, Guggln: de Guggln sind die Augen, kommt wohl von gucken / Guggln sind meistens kleine süße Äuglein (das Kleinkind oder der Wellensittich haben Guggeln) “Kinder, jetzt werden de Guggeln abor zugemacht, sonst gibts ä Donnerwettor!” / Im Gegensatz dazu sind de Oochen (die Augen) eher normale oder groß aufgerissene Augen, “Aber Wolf, was hast du für schrägglich große Oochen” oder auch “Da habsch gestaunt, da habsch de Oochen offgeruppt”. Die nochmalige Steigerung von Oochen sind Glubbschoochen
Guuden Daach: Guten Tag
grauchen, krauchen, grauchn: beschreibt einen Erschöpfungszustand, kommt sicher von “kriechen” / Ausspruch eines Arbeitskollegen von mir nach der Schicht: “Wenn isch mir überleche, daß isch noch zwanzs´sch Jahre orbeiten soll, ich kann doch jetzt schon kaum noch grauchn”. / Oder: “Isch dänke, unserm Nachborn geht´s nisch gud. Der graucht neierdings so durch dä Gechend (Gegend)”.
Griebel, Griebl: ein Miststück
Grienzeich: Grünzeug, Zimmerpflanzen im Überfluß oder auch Salatspeise/Rohkost
Griffel, Griffl: eigentlich ein Schreibgerät zum beschreiben von Schiefertafeln, in Sachsen Ausdruck für Hände, “Mit dän dreggschen Griffeln setzte disch nisch an Ässtisch.”
Haderlumpen: besonders unfolgsame, viel Unfug anstellende (große) Kinder / Hader siehe >Scheuerhader< und dann noch Lumpen obendrein!
Hitsche: eigentlich die Fußbank (kennt die noch jemand?), im übertragenen Sinne aber auch ein kleiner Schemel, Tritthocker, kleine Bank
Hornzsche, Horns´sche: unwohnliche, liederliche oder sehr enge Wohnung, “Reime endlich ma deine Hornzsche off! Sonst fliecht das alles in Müll!” oder “Isch bleibe heute >darheem< in meiner Horns´sche”.
Huckelwiese, Huggelwiese: der Friedhof / “Wenn die >Wänster< heute so weitermachen, bring die mich vorzeitsch off de Huggelwiese”.
huppen, huppn: mal schnell einen Weg erledigen, auf dem Sprung, “Isch muß noch ma schnell in Konsum huppn, isch hab de Butter forgessn.”, “Wer huppt ma schnell off´n Dachboden, isch brauch enn lährn Karton?”
Käärche / Kärschen: Kirche, “Nu lass ma de Käärche im Dorf” / Kirschen, “Dor Kärschboom blieht ooch schon scheen”.
Kahn: eigentlich ein Wasserfahrzeug, hier aber Synonym für Bett, siehe >Falle<, “Kinder, jetzt gehts ab in Kahn”, mit Nachdruck und dem Hinweis, daß es nun Zeit wird und schleunigst passieren soll “Ihr fliecht (fliegt) jetzt in Kahn!”
kampeln, kampln: catchen off säggs´sch / kleine Jungs untereinander oder mit dem Vater kampln gern mal… meistens bis es Tränen gibt
dann wird >geningelt<
Kanapee: aus dem Arabischen: Sofa, Ruhebank mit Lehne oder Liegesofa mit kleiner Lehne, aber immer für mindestens zwei Personen
Kapuff, Kabuff, Kabüffschn: kleine unaufgeräumte Kammer, kann auch ein chaotisches Arbeitszimmer sein / das Kabüffschn ist noch´n Zacken kleiner als Kapuff
Knöppl, Knöbbl, Gnöppl: Knöpfchen, Knopf, “Mußt du so in das Hemde neifahrn? Kannste das nich vorher offknöppln?”
Knifte: siehe auch >Bemme, Rungsen< / Knifte ist manchmal und regional auch ein Begriff für´s Bett
Korl-Mork-Stodt: die sprichwörtliche Stadt mit drei “o”, Chemnitz hieß zu DDR-Zeiten 40 Jahre Karl-Marx-Stadt, seit der Wende wieder Chemnitz, bedeutende sächs. Industriestadt
Krippel, Krippl: eigentlich Krüppel, hier symbolisch für Weihnachtsbaum (vor allem zu DDR-Zeiten), sicher von Krüppelkiefer abstammend, “Mir ham wieder enn Weihnachtsboom dies´sch Jahr, das is ä rischtscher Krippel.”
Latschen, Treter: Schuhe, ausgetretene Schuhe, relativ große Schuhe, weniger Frauenschuhe betreffend
latschen, schlurksen: gehen, schwerfälliges, erschöpftes oder lustloses laufen / latschen steht mehr für das lustlose oder coole gehen bzw. für die Schrittfolge hochgewachsener junger Männer / schlurksen bezeichnet mehr das kraftlose und ermüdete gehen
lawede: wacklig, kein Vertrauen erweckend, “Gehe dort nisch rieber! Die Brücke is doch völlisch lawede.”, “Das is ä wacklisches >Geställe<.”
Lorge, Lohrge: dünner Bohnenkaffee, Vorstufe zum >Bliemchenkaffee<
Löcher: eigentlich Löcher im Wortsinn, aber hier Synonym für Zimmer, am Besten von einem zentralen Korridor abgehend, meine Muddi pflegte zu ihren vier Kindern zu sagen “Ihr verschwindet jetzt ma for ne halbe Stunde in Euren Löchern und laßt misch in Ruhe mit der Nachbarin enne Tasse Kaffee trinken!”, im Gegenzug “kommen alle wieder aus ihren Löchern gekrochen”
Lulatsch, langer Lulatsch: ein hochgewachsener, aber nicht zwangsläufig kräftiger (eher ein hagerer) Mann, “Gucke ma dän Lulatsch an, der kann aus dor Dachrinne saufen”.
Luhmisch: Halunke, Kleinganove, dennoch liebenswert in seiner Art “das is darwechen ä Lumisch”, er kann nicht wirklich böse sein, ihm sitzt der Schalk im Nacken
Mach dass´de wegkimmst / wäggkimmst: Hau ab hier, los!
Mäbbe, Mäppe, Meppe, Mebbe: im Dräsdner Säggs´sch ä Ausdruck für “Schnuller, Hudl” oder wie der Babyberuhiger sonst genannt wird, “So ä großes Mädel, un noch de Mäbbe in der Gusche”
malade: völlig k.o., erschöpft, zu müde zum ins Bett gehen
Maschendroahdzaun: Maschendrahtzaun, Hit-Wunder von Stephan Raab & Regina Zindler
mei lieber Scholli, meine Fresse: Ausruf der Verwunderung oder des Staunens, “Mei lieber Scholli, das hätte aber jetzt schief gehn könn.”, “Meine Fresse, da habsch aber noch ma Glück gehabt”, Pittiplatsch sagte dazu immer “Ach Du meine Nase!”
meschugge: verrückt, übergeschnappt, “Was wird´n das, wenns >fertsch< is? Du bist wohl völlig meschugge?”, “Der/die macht mich heut noch meschugge!”
Mistfitzenkräbs: ein Mistpfützenkrebs / Person (oft Kind oder Jugendlicher) die hochgradig und permanent nervt, ungezogen ist und einen Schaden nach dem anderen anrichtet
Modschegiebchen, Mudschegiebschen: Marienkäfer
Mohler: Ausdruck für Bonbon, meines Erachtens nur im Raum Dresden geläufig
morschen, Morschen, Guuden Morschen: hat nichts mit morsch zu tun, gemeint ist der Tag nach heute “Morschen gehn mir zusamm ins Kino” / es kann ein Gruß sein, “Guuden Morschen
Muggefugg: Malzkaffee, Kinderkaffee / bei uns zu Hause war der Muggefugg in einer Dose mit Blümchenmuster und hieß bei uns >Bliemchenkaffee<, hatte deshalb mit dem >Bliemchenkaffee< oben wahrscheinlich nichts gemein
muddln, muddeln: kommt wahrscheinlich von der Muddi oder der Muddl. Meine Mutter konnte den Begriff auf sich bezogen nie leiden, denn das bedeutet eher ein zielloses oder desorientiertes herumwirtschaften im Haushalt.
Murks: untaugliches Ergebnis einer praktischen Arbeit (Handwerk, Heimwerker, Bastelei, Handarbeit), “Mit Deinen >Murkshänden< kann ja nischt gescheits rauskomm”.
Murkshände: zwei linke Hände oder Hände die eben in dem Moment >rummurksen<”
Muzel: das “u” wird betont, es kommt nicht von Mützel oder Mützchen, gemeint sind Staubflocken oder Gewebefusseln (jeder Dussel hat ein Fussel läßt sich auf Muzel leider nicht reimen
Nachellagg: Nagellack
nacksch: nackt, nackisch / auch im übertragenen Sinne, in Westsachsen gibt es den Begriff “nackscher Arsch” für kahle, windige Höhenzüge “Nimm doch de Abkärzung un fahr übern nackschen Arsch”
Nabbsilze: Napfsülze, Schweinskopfsülze in Aspik, Begriff für einen Depp oder Dussel / das Wort bezeichnet Untauglichkeit im Alltag, Weltfremdheit, Naivität
nämisch: steht für “nämlich”, wird von Kindern häufiger so gesprochen, die erwachsenen Sachsen lernen es scheinbar im Laufe des Lebens, “Muddi, ich habe den Bleedsinn nisch alleene angestellt. Dor Max un dor Franz warn nämisch >ooch< dabei”
Neinerlaa: Neunerlei, im Erzgebirge ein weihnachtliches Heilig Abend-Essen (dr heilge Oohmd), besteht aus neun Einzelgerichten, “Mir hobn aah Neinerlaa gekocht, aah Wurscht un Sauerkraut. Mei Mutter hot sich ogeplogt, die gute alte Haut”
ningeln, ningln: weinen, lamentieren
nischeln: kommt von Nischel (Kopf), übertriebene Herzlichkeit, sich freuen, jemand zu sehen oder sehr gern zu haben, “Ich könnt Disch ma so rischtsch nischln” / auch beim >kampeln< kann man sich nischeln / im schlimmsten Fall eine Pügelei, “Haste däm sei blaues Ooche gesähn? Dän hamse bestimmt zusammgenischelt”.
Nolte, machen wie Nolte: es ist egal wie Du es machst, entscheide selbst wie Du es machst / “Kannste machen wie Nolte. Der machte´s wie er´s wollte”
nu, nu nu: im Dräsdnerischen Säggs´sch zustimmende Floskel im Gespräch, bejaende Antwort
nu klar / nu kloar: zustimmende Floskel im Gespräch, bejaende Antwort auf Einwände des Zweifels, natürlich/selbstverständlich, siehe auch >freilich / nu freilich<, ebenso “nu genau”
offbäbbln, offpäppeln: aufpäppeln, jemanden nach einer Krankheit wieder zu Kräften verhelfen / man kann aber auch einen Gegenstand offbäbbln: einen antiken Stuhl, ein reparaturbedürftiges Kleid usw.
offdrieseln, offdriesln: ein Gewebe kann aufdrieseln, eine Naht kann aufdrieseln / ich kann ein Gewebe oder eine Naht auch gewollt auftrennen, “Muddi, isch driesl ma die Hosenkante off. Kannste mir die ma kärzen (kürzen)?”
offwaschen: abwaschen, spülen (klingt bescheuert) / “Dor Saggse saacht ähm offwaschen”
Offwaschlabbn, Offwaschlabben, Offwaschlappn: Abwaschtuch, Abwaschlappen / das Utensil zum >offwaschen<
ooch ma, o ma: auch mal, aus auch wird “ooch” und abgekürzt dann “o ” / “>Ega< muß isch in dän Keller gehn un dä Limo hochholn. Du kannst ooch ma gehn”, “Baul schaukelt schon seit zwee Stunden, isch will o ma schaukeln”
ooohr neee: ach nee, ach nicht doch, “ooor neee, jetzt >schiffts< ooch noch!” (in dem Fall regnet es)
Orbeet, off dor Orbeet: Arbeit, auf der Arbeit
piesacken: stechen, zusetzen, “Isch war in d´n Brombärn. Gefunden habsch enn ganzen Korb voll, aber die Dorn haben mich fürchterlich gepiesackt.”, “Meine Muddi wird immer so von de Müggen gepiesackt” / im übertragenen Sinne können auch Menschen piesacken
Pochbrich (seltener Bochbrich, Puchbrich): Hammer, der Wortstamm pochen erklärt das Verb, die Endung -ich verweist auf ein Substantiv bzw. einen Gegenstand bzw. Name (Gegenstand zum pochen)
pomfortionös, bomfortionös: pomfortionös ist etwas Außergewöhnliches, etwas außerordentlich Schmackhaftes oder Luxuriöses, “Elfriede, gucke ma, was´sch mir for ne Brosche gkooft hab”, “Meine Güte, die is ja pomfortionös”.
Ränftel: Brotkanten, das Ränftel schmeckt besonders vom frischen Brot mit Butter und Salz, Speckfett oder Schmalzfleisch – oder mit nischt, eefach nur >nacksch<
Rettch, ä Rettch: ein Rettich / rettsch kann auch umgangssprachlich bedeuten …rett´ich… “Keene Angst, mir müssen hier rieber. Wenn de ins Wasser fällst, dann rettsch disch.”
Riechkolben, Zinken: Nase, große dicke Nase / sicher eher die Nase von einem alten Mann und nicht von einem jungen zierlichen Mädel / es sei denn, “die Nase wurde von Mücken >gepiesackt<, dann hat >ooch< das Mädel enn >dischtschen< Zinken”
rummährn, mährn, mähren: auf den ersten Blick nicht zweckgerichtetes hantieren, unkoordiniertes Tun oder gar ein unwillkommenes einmischen, “Was mährstn Du mir jetzt hier rein? Laß misch das doch ma alleene >fertsch< machen”.
rumdaalen, daalen, daaln: eigentlich etwas zu erledigen, aber träumerisch und langschämsch nicht vorankommend, “Der daalt hier rum, däm könntsch beim loofen de Schuhe besooln”.
rumdiechern, diechern: kommt vom >Diecher<, ziel- und rastloses umherlaufen, “Was diecherst´n Du so durch de Bude? Weeßt ni, was de machen sollst?”
rumdillern, dillern, dillorn: ähnlich dem >rumdaalen<, aber dillern ist eh nicht ziel- und zweckgerichtet, dillorn ist ein nicht zu beschreibendes und teilweise sogar kreatives Zeit totschlagen (und geht wunderbar auch allein, vor allem bei Kindern) / Wortwechsel in den 1970er Jahren bei uns daheim: Muddi: “Wo seid´n ihr?” Wir:”Offm Boden” Muddi “Was machtn ihr?” Wir “Nüscht. Mir dillorn” De Muddis war´s zufrieden
rumgniedschen, knietschen, gniedschn: nörgeln, jammern, lamentieren, unzufrieden sein, sich selbst nicht leiden können im Moment, “Mensch, gniedsch nisch so rum. Du kannst disch wo heite selber nisch leiden.”
rummurksen, murksn: >Murks< erzeugen, einen Gegenstand kaputt spielen oder kaputt reparieren, “Hast jetzt lange genuch damit rumgemurkst? Klasse, jetzt ist es kaputt”.
rumschlumbern, schlumbern, schlumborn: herumstromern, um die Häuser ziehen
rumschürschln, schürschln: siehe unten >rumwürschen<
rumwürschen, würschen, würschn: hantieren, mitmischen, geschäftiges treiben / P.S.: ich habe heute in meiner Garage ein Bausatzregal zusamm´gewürscht
Rungsen: siehe auch >Knifte, Bemme<, ein Rungsen ist eine besonders dicke oder dick-mißlungene Scheibe Brot (denn ich schneide noch mit Messer ab), “Was is´n das für Rungsen? Da kriegsch ja de Maulsperre!” Rungsen können auch ungewollt abgeschnitten werden “Das Brot is so frisch, da kannsch nur solche Rungsen abschneiden!”
Saggsen, Saggsn: Sachsen, meine Heimat
Säggs´sch, dor säggs´sche Dialeggd: Sächsisch, der sächsische Dialekt
Schbalddablädde, Schbald-Dablädde: Spalttablette, Spalt.Tablette / belauscht: ein Sachse in der Hamburger Apotheke: “´n Daach. Hamm´se Schbalddabläddn?”
Schebbdäggel, Schäbbdeckel, Schäbbdeggel: leichte Schirmmütze im Stil von Kommissar Maigret
Schebbleffel, Schebblöffl, Schebbkelle: Schöpflöffel, Schöpfkelle, auch als Schimpfwort “Du bleeder Schebblöffel, Du”.
Scherbel, Schärbel: eigentlich Scherben, aber auch Synonym für Geschirr, “Ich muß neue Kaffeedassen koofen. Isch hab keen eenzschen gescheiten Schärbel mehr im Schrank!”
Scheuerhader, Scheierhader: Wischlappen zum Schrubber gehörig, in Zeiten vor Wischmop und Co. / als Hadern bezeichnete man im späten Mittelalter Lumpen, hier also im Sinne von alter Lappen zum Wischen
Schgaadahmd, Schgaad-Ahmd: Skatabend, Skat-Abend
Schickse: unpassend oder übertrieben chic, eine wandelnde Modepuppe
schlauchen, schlingen: hastiges Essen, sei es aus Zeitgründen oder auf Grund großen Hungers / schlauchen steht aber auch für erbetteln, schnorren, “Kannsch bei Dir ne Flubbe (Zigarette) schlauchen?”
Schlotte: eigentlich das Klo, im übertragenen Sinne evtl. auch ein Ausgußbecken, “Schütts in de Schlotte” pflegte meine Oma in Dräsden zu sachn und meente damit das Wischwasser im Eemer. Oder “Klopp ma an de Klodiere, der sitzt doch schon ewig off dor Schlotte. Der is wo schon neingeflochen!”
Schmieche: Gliedermaßstab, Zollstock (früher: Schmiege)
Scholli: siehe oben >mei lieber …<
Schtärze, Schdärze, enne Schdärze: kommt von Stürze, der darauf gestürzte Topfdeckel ist gemeint / ein besonders chaotisches Weibsbild “is ooch änne Schdärze”
schurigeln; schuricheln, schurichln: das Leben schwer machen, siehe auch >drangsalieren< / schurigeln ist aber fast ausschließlich zwischenmenschlich “Mensch Du, den hamse aber >düschtsch< schurichlt”
Schwäbdeckel, Schwäbdeggl, Schwääbdeggl: siehe dazu >Schebbdäggel<
Schwein Du Schwarzes, Sau Du Grauslige: innbrünstige Bezeichnung für ein besonders dreckiges Kind (Welches Kind wird heute noch beim spielen draußen so “rischtsch scheen drecksch?” Ihr armen Kinder!) Bezeichnung aber auch für dreckige Erwachsene, die sich in ihrem Benehmen absolut nicht darum scheren.
sechen, seechn, schiffen, schulln: pinkeln, pullern / Begriffe für das kleine Geschäft auf >dor Schlotte<, den Begriff schulln kenne ich aber nur aus dem Raum Dresden / was dann den Körper verlassen hat ist die Seeche, Schiffe, Schulle (in Dresden) “Graf Zeppelin war der Erste, der in verschiedene Himmelsrichtungen in die Luft schiffte” (aus einem Kinderaufsatz
Seifenbaddschl, Seefnbaddschl: Barbier, Friseur aus der Zeit, als beim Friseur noch mit Schaum und Messer rasiert wurde
Streichbeene: Streichhölzer, Hölzer spöttich: Beene (Beine) / welche Modelbeine sind dann das Vorbild für die 10-15 cm langen Kaminhölzer
süffeln: genüssliches trinken, auch schlückchenweises nippen, Damen aus gutbürgerlichen Hause süffeln einen Likör oder Sekt, der >Baubudenrülps< säuft sein Bier
Vogelbäärboom, Vochelbäärboom: Vogelbeerbaum, Eberesche / im Erzgebirge auch Vugelbeerbaam, Vuchelbeerbaam. Der Schnaps aus den Beeren heißt Vugelbeertroppen. Es gibt sogar ein Vugelbeerbaam-Lied im Erzgebirge
vorbiechen: symbolisch für persönliche Zustandsänderungen beim herzhaften und nicht enden wollendem Lachen, verbiegen vor Lachen, siehe auch >zorruppen, zoreiern usw<
Vuchelheisl, Vochelheisl, Vochelhäusl: auch hier geht es schon stark in Richtung Erzgebirge/Vogtland: das Vogelhäuschen
Wänster: abgeleitet von Wanst / bezeichnet hier Kinder, die an diesem Tag besonders nervig, unfolgsam oder andersweitig nicht zu ertragen sind / Steigerung: “solche Dreckwänster!”
Wanstrammeln: es rammelt im Wanst, im Bauch grummelt es
walte Hugo: im Sinne von “aber ganz sicher”, “da kannste Gift drauf nehmen, das stimmt” / walte Hugo kommt wahrscheinlich von “das verwaltet Hugo, dafür sorgt Hugo (muß ein einflußreicher und dominanter Mann sein) “Du hast das Mosaik Nr. 14 zweema, ich hab die Nr. 57 zweema, da könn´mer dauschen. Du foräppelst mich ooch nisch…” “Klor machen mir das so, abor walte Hugo .”
Wärschtl: Würstchen, Würschtl / auch ein zum anknabbern süßes Kleinkind, “Or die Kleene. Das is ä sießes Wärschtl”.
weeskneppchen, weesgnöbbl, weesgnebbchn: bedeutet tatsächlich, als hätt ich es geahnt
Weltkriech, Weldkriech: Weltkrieg
wischtsch: wichtig, “Spiel dich nisch so off und mach dich nisch so wischtsch!”
Vorkehrszeechen, Vorkährszeechen: Verkehrszeichen
Ziechelsteen: Ziegelstein
zorruppn, zoreiern, zorfetzn, zorkucheln, zorschießen: symbolisch für persönliche Zustandsänderungen beim herzhaften und nicht enden wollendem Lachen, platzen und dergleichen vor Lachen, “Am Wochenende ham mir Fernsehen geguckt. Mir ham uns wieder über de Olsenbande zorkuchelt!”, siehe auch >vorbiechn<






