Archiv für August 2010
Wohnst Du hier (im Keller)?
In den 1980-er Jahren bauten meine Eltern eine Etagenheizung auf eigene Rechnung ein. Wir wohnten in einem Altbaumehrfamilienhaus mit übler Bausubstanz im Erdgeschoß. Günstig war, daß die Heizung im Keller unter der Wohnung installiert werden konnte. Bei einer Familie mit 4 Kindern und 100 qm Wohnfläche brachte die Heizung mit zentraler Kohlefeuerungsstelle eine enorme Erleichterung mit sich.
Mein Vater arbeitete damals als Elektromonteur auf Montage. Er fuhr mit dem Moped Sperber teilweise bis nach Altchemnitz (von Frankenberg). Der “Familienwagen” Trabant Kombi war für “gut” und konnte nicht im Alltag runtergeritten werden.
Der Altbaukeller hatte einen gestampften Erd- und teilweise Ziegelboden. Der Fußboden war feucht. Meine Eltern hatten zum Schutz vor Nässe von unten altes, dickes Linoleum ausgelegt. Immerhin waren im Keller auch Werkzeuge, Einweckgläserregale, Kinderspielzeug und Fahrräder untergebracht.
Mein Vater fuhr mit dem Moped grundsätzlich mit regenfester Kleidung, denn so sicher konnte man nie sein, daß man trocken ankommt. Für die Mopedkluft hatte er Garderobenhaken im Keller.
Und nun stand auch noch der Heizkessel im Keller . . .
Mein Vater kam von Arbeit, legte im Heizungsofen Kohlen nach und wartete gleich unten, bis er die Luftzuführung reduzieren konnte. Derweil zog er die dreckigen oder nassen Mopedsachen aus und hängte sie hin. Dann rauchte er gemütlich ein Zigarettchen und beobachtete sein Feuerchen.
Der Nachbarsohn (ca. 5 Jahre) schaute ungläubig zu der halbgeöffneten Kellertür herein. Er sah einen Mann eine Zigarette rauchen, der Keller hatte richtiges Licht, das Feuer im Ofen loderte, Linoleum gab es auch, die Sachen hingen am Haken . . .
Der ca. fünfjährige Pimpf fragte meinen Vater:
“Wohnst Du hier?”
ORWO-Tonbandkassette K 60 von 1987
Heute im Betrieb gefunden: eine ORWO-Magnetbandkassette K 60 von 1987 (Verkaufsstempel). So abgelegt, daß sie jemand mitnimmt. Offenbar wollte sie jemand loswerden, aber nicht dieses Erinnerungen behaftete Produkt der DDR-Konsumgüterproduktion aus dem VEB Chemiefaserwerk “Friedrich Engels” in Premnitz wegschmeißen.
Meine Fresse, waren das Zeiten. Was mir dabei alles einfällt. Mein erster Kassettenrekorder war ein “Annett”. Das war ein Geschenk der Großeltern zur Jugendweihe im April 1977. Meine Eltern hätten mir keinen Kassettenrekorder für fast 800,- DDR Mark kaufen können.
20,- kostete die Kassette. Das war viel Geld für einen Jugendlichen. Da habe ich schon echt überlegt, was gerade wichtiger war: eine Kassette, etwas für die Modelleisenbahn, heimlich paar Zigaretten (aber erst 3 Jahre später und meistens aus Geldmangel eine Schachtel mit meinem Kumpel Michael Schlabitz zusammen) oder Motorradbenzin. Denn auch das wollte 3 Jahre später mitfinanziert sein. Irgendwie ging es aber immer.
Kein Wunder, daß der Intershop-Wunsch “Matchbox oder Westnascherei” bei meinen Großeltern vom Intershop-Wunsch “BASF-Kassetten” abgelöst wurde. Noch teurer waren die 90-er Kasetten. Dafür fitzten die besonders schön. Zum fluchen war das. Wenn´s nur der Fitz im Band gewesen wäre, aber es ging um die oftmals unwiederbringliche Musik. Paar musikalische Raritäten hatte doch jeder, und keiner war komplett. Da konnte man so schöne Überspiel-Nachmittage abhalten. Deshalb wurden die Kassetten vorsichtig entfitzt, aufgeschraubt, das Band geglättet und geschickt geklebt. Später gab es fast nur noch Russenkassetten vom großen Bruder Sowjetunion. Die konnte man nicht mal aufschrauben. Da war man erst angearscht.
Heute kann es nicht Dolby Surround oder HDTV genug sein. Damals verursachten Begriffe wie Low Noise (rauscharm) oder HiFi (sprich: Hai Vieh) noch ein Leuchten in den Augen und Wohlklang in den Ohren. Man konnte sogar auf der Kassette ankreuzen, ob die Aufnahme in Stereo war. Klar, es hätte ja auch Mono sein können. So wie meine Mikrofonaufnahmen von Suzi Quadros Konzert in Görlitz 1977 (78). Mein Vater hustete im Hintergrund, aber das war egal. Oder der Wunsch von Mario Wagner und mir im “Wunschbriefkasten”: Showaddywaddy. Mit Mikrofon aufgenommen, aber die Aufnahme war gefragt und ist über die Jugendherberge sogar bis nach Finsterwalde gekommen.
Und was für schöne Überspielnachmittage wir hatten. Ich besaß kein Überspielkabel. Weil mein Gerät ein integriertes Radio hatte, war serienmäßig kein Ü-Kabel dabei. Die DDR Marketingstrategen dachten nämlich, DDR-Musik kann man ja auch im Radio aufnehmen. Aber ich wollte ja auch diese Yeah-Yeah-Yeah-Musik oder wie das alles heißt (Original-Ton Walther Ulbricht). Aber Überspielkabel gab es nicht. Also besorgte ich mir die Einzelteile und lötete mir eins zusammen. Dann nahmen wir Musik auf, quatschten nebenbei über Mopeds und unsere weiblichen Klassenschönheiten, rauchten heimlich eine Zigarette F 6 oder Semper und genossen den Nachmittag im Zeichen des Musiktausches und dem Quatschen über die Bands. Selbst mancher mit guten Vorsätzen angesagte gemeinsame Hausaufgabennachmittag ging dabei den Bach runter. Musik überspielen war manchmal eben wichtiger.
Wenn ich daran denke und was mir da alles einfällt . . .
Wie lange ist das her, über 30 Jahre
?
Siehe dazu auch ORWO-Magnetbandkassette (Teil 2) KLICK HIER
Der Kampf einer Möwe mit ihrem Fressen
Folgende Fotos entstanden im April 2008 auf Usedom. Eine Möwe kämpfte bei stürmischen Wind und sehr bewegter See mit einem Fisch. Offenbar war auch der Fisch sehr stark und gab sich im Todeskampf nicht gleich auf. Die Möwe mußte den zappelnden und sich wehrenden Fisch mehrfach wieder fallen lassen. Zudem wurden natürlich auch die anderen Möwen aufmerksam, so daß sie sich ihrer Beute bei erfolgreicher Jagd nicht sicher sein konnte.
Aber ihr Bemühen wurde belohnt und der Hunger im Nachhinein gestillt.
Spiegelung des Astes eines Uferbaums
Das Foto entstand am Wassergraben an der Ruine der Wasserburg in Mechelgrün/Vgtl.
Die braune Wasserfärbung ist den Regenfällen der letzten Tage geschuldet.
Ein Ausflug ins Vogtland zur Ruine der Wasserburg in Mechelgrün und zur Kirche in Theuma
In der Tageszeitung Freie Presse wurde die Wasserburg Mechelgrün vorgestellt, Eigentlich ging es um die Absicherung des gefährlichen Objektes und das Verschwinden des Besitzers. Darauf aufmerksam geworden und in der Hoffnung auf ein paar romantische Fotos machten wir uns auf den Weg.
Aber ich möchte trotzdem darauf hinweisen: es besteht akute Einsturzgefahr!!
Ein Kleinod mit Vergänglichkeitscharakter:
Die Wasserburg wurde 1267 erstmals erwähnt. Die Anlage wurde zerstört, brannte ab, wurde wieder aufgebaut, umgebaut… wie der Lauf der Zeit so mitspielt. Es gab Ecktürmchen in wechselnder Anzahl und auch eine Kapelle. Der umgebende Wassergraben wurde künstlich angelegt. Der Dorfteich von Mechelgrün befindet sich in unmittelbarer Nähe. Gespeist wird der Burgwassergraben vom Bach. Die ehemalige Burg ist ein Wahrzeichen des Ortes und Identität gebendes Zentrum des Dorfes… leider mit starkem Vergänglichkeitscharakter.
Als 1978 das Dach einstürzte, war das wohl der endgültige Anfang vom Ende. Die Pläne, ab 1992 ein Hotel daraus zu machen, sind wohl dann auch eher ins Ressort “Hirngespinst” einzuordnen.
Anschließend statteten wir der Kirche im nahegelegenen Theuma noch einen Besuch ab.














