Archiv für 14. November 2010
von schwachsinniger Werbung und nervigem Weihnachtsgetue
Es gibt übers Jahr verteilt viel Werbung, die nervt oder geradezu schwachsinnig daherkommt. Zusätzlich gibt est dazu Werbung, die in regelmäßigen Abständen eine Hochkunjunktur erfährt. Dazu gehört beispielsweise die Werbeflut im Vorfeld und während der saisonalen Schlußverkäufe im Sommer und Winter. Was soll uns dieses bescheuerte “sale” oder “for sale” sagen? Ganze Schaufensterscheiben werden damit zum Sommer- oder Winterschlußverkauf beklebt, die Auslagen werden damit garniert und im Ladeninneren geht es weiter. Selbst Fahnen vorm Laden mit der Aufschrift “sale” habe ich gesehen. Kein Schwein weiß wirklich, was uns diese Phrase sagen will oder was es wirklich bedeutet.
Vor Weihnachten wiederum beginnt eine andere Werbung zu nerven. Schlimm genug, daß wir (spätestens) ab September mit Weihnachten konfrontiert werden, aber was will uns “X-mas” oder “merry X-mas” sagen? Das soll von Christmas kommen, aha. Aber warum sagt man dann nicht auch Christmas, wenn man es meint? Und warum sagt man nicht einfach auf gut Deutsch “Weihnachten”? Weil wir (bzw. die, die sowas verzappen) bescheuert sind.
Seit wann heißt übrigens die schwarze Johannesbeere nicht mehr schwarze Johannesbeere, sondern Cassis… und die Pampelmuse Crapefruit? Seit der Wende!
Siehe dazu auch meinen Blog “Publiv Viewing”: KLICK
Doch zurück zum X-mas. Als Christina Aquilera vor ihrem Mutterglück eine spätpubertäre Selbstfindungsphase durchmachte und auch die dementsprechenden Videos drehte, nannte sie sich nur noch X-tina. Den Journalisten erklärte sie, das X in ihrem Namen stehe fortan für Sex. Wie verhält sich das jetzt mit X-mas? Insofern könnte man in dem Weihnachtsmannspruch “Ich bin der Weihnachtsmann, der Gute. Siehst Du nicht Sack und Rute?” etwas Perverses oder Sexbezogenes vermuten. Und der harmlose Rauschebart im roten Kittel entpuppt sich ganz nach X-tinas Vorbild zum sexistischen Xmas-man. Aber das glaube ich nicht.
Was mich mindestens genau so nervt, ist Werbung, die mit “hohoho” eingeläutet wird und vom Weihnachtsann persönlich präsentiert wird. Wo kommt der Blödsinn her? Kein DDR-Weihnachtsmann brüllte früher “hohoho”. Im bundesdeutschen Westen weiß ich es nicht, vorstellen könnte ich es mir aber. Dort wird doch schon seit langem gedankenlos alles nachgeäfft, was aus Amerika kommt und/oder englisch klingt. In der Ex-DDR bestand wiederum die Gefahr, daß aus Weihnachten ein Fest nach russischem Vorbild und aus dem Weihnachtsmann ein Väterchen Frost wird. Haben wir Deutschen solche Identitätsprobleme?
Da fällt mir ein Interview mit Rocker Ozzy Osbourne ein, das ich vor längerer Zeit einmal las.
Um dem aufgedrängten Weihnachtstrubel (nicht der privaten Gemütlichkeit), der in Amerika schon Ende August einsetzt (weit entfernt sind wir davon auch nicht mehr) zu entgehen, verlegte Ozzy Tourneetermine für sich und seine Band am liebsten ins Ausland. In Amerika ist ja alles einen Zacken extremer. Am liebsten war ihm sogar das nichtchristliche Ausland: Asien, am besten Fernost. Auf die Frage eines Journalisten, ob er dort wirklich dem Rummel entkommt, antwortete Ozzy sinngemäß: “Anfangs schon. Doch dann begannen die Asiaten in gewohnter Manier, alles zu kopieren. So geriet er zum Beispiel in Japan in Tokio voll in den Weihnachtstrubel. Da die Asiaten aber mit Weihnachts- und Bibelgeschichte nichts anfangen konnten und diese nur bruchstückenhaft verstanden, brachten sie alles durcheinander.” Und so entdeckte Ozzy in einem Schaufenster in Tokio einen an das Kreuz geschlagenen Weihnachtsmann