Vier tote Skiurlauber aus Sachsen in den norwegischen Bergen (Freie Presse vom 19.02.2011)
Vorbemerkung: Ich möchte weder den vier Verunglückten schlecht nachreden noch die Hinterbliebenen verletzen. Die Sache an sich ist tragisch und tut mir leid! Ich beziehe mich dabei auf eine Zeitungsmeldung vom 19.02.2011. Ob es sich tatsächlich so zugetragen hat, kann ich nicht beurteilen. Ich will aber auf etwas anderes hinaus: Ich will ein paar Beispiele nennen, wie unsere Urlaubs- und Eventkultur sowie auch die Wirtschaftswelt oftmals aus dem Ruder läuft, weil man einfach nicht bereit ist, Grenzen zu akzeptieren und weil man Warnungen in den Wind schlägt. Dazu eignet sich die vorliegende Geschichte leider – falls sie sich so zugetragen hat. Ergänzend bitte ich, die unten anschließenden Kommentare mit einzubeziehen. Danke.
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Vier Branderbisdorfer Skiurlauber bezahlen ihren Leichtsinn mit ihrem Leben. Es erinnert mich an ein Buch, das ich gelesen habe: Im Himalaya-Gebirge schlägt ein Bergsteiger alle Warnungen der Einheimischen in den Wind und marschiert von Nepal aus in die Berge. Im Schneesturm verirrt er sich und das Unheil nimmt seinen Lauf. Er überlebt stark unterkühlt und abgemagert. Am Leben hielten ihn ein paar Schoko- und Müsliriegel und Wasser aus geschmolzenem Schnee. Nach Wochen wurde er lebend gefunden. Soweit zu dieser wahren Geschichte.
Vier Branderbisdorfer schlagen die zweimalige Warnung eines Einheimischen (der es offenbar besser wußte) in den Wind. Auf die Bemerkung “Nur wer nicht ganz normal ist, wird bei dieser Witterung losgehen” sollen sie angeblich trotzig entgegnet haben: “Wir sind auch nicht normal!” Nun, wenn es sich denn so zugetragen hat – was ich nicht beurteilen will und kann – dann kann man ihnen auch nicht mehr helfen. Genauso groß ist das Geschrei, wenn sich Touristen unbedingt in Krisengebieten oder in extrem kriminellen Regionen im Urlaub austoben müssen (kolumbianische Bergwelt, Dschungelgebiete Südostasiens). Vielleicht bieten somalische Piraten demnächst Seeurlauberkajüten an. Die Leute dürfen dann nur nicht erschrecken, wenn hin und wieder geschossen wird. Nur bei der Rettung durch deutsche Behörden und Rettungsdienste wollen sie dann bitteschön nicht finanziell beteiligt werden. Aber “wenn man eh nicht normal ist . . .”
Es ist doch ein Widerspruch in sich: Die globalisierte und extrem auf Mobilität ausgerichtete Wirtschaftswelt setzt sich selbst äußerst sensible Grenzen. Aber man ist immer weniger bereit, diese auch zu akzeptieren – egal, ob es Terrorwarnungen auf Flughäfen oder politische Krisen in fremden Ländern sind.
Die extrem ansteigende Weltbevölkerung setzt sich Grenzen, die sie nicht bereit ist, zu akzeptieren – sei es Rohstoffknappheit, Trinkwassermangel, Mangel an Arbeitsplätzen, beschränkter Platz auf unserem Planeten und mehr.
Und – die Menschheit kann nicht mehr mit der Natur und deren gesetzten Grenzen umgehen, sie werden schlichtweg ignoriert. Zumindest wird es immer wieder versucht. Das betrifft Vulkanasche genauso wie den Winter 2010. Das betrifft die Folgen besiedelter Hochwassergebiete genauso wie den jetzigen Fall der vier Skitouristen in Norwegen. Beim Zugspitzlauf erfrieren Teilnehmer, weil sie nicht wissen, daß es dort oben kalt ist und sich das Wetter schnell und extrem ändern kann. Nein, sowas aber auch! In Heimatkunde der vierten Klasse (DDR) lernte man, daß die Temperatur pro 100 Höhenmeter um ein Grad abnimmt. Wie hoch ist die Zugspitze? Dazu der eisige Wind . . . Aber man kann ja den Veranstalter verklagen.
Aber warum in die Ferne schweifen, denn das Bekloppte liegt so nah: auf dem heimischen Fichtelberg treten zu Silvester die Damen im Bolerojäckchen, ohne Mütze und in Stöckelschuhen zum Knallen und Blitzen um Mitternacht hinaus ins Freie und wundern sich, daß es kalt ist und ein eisiger Wind weht. Ja, mein Gott . . .