Archiv für April 2011
Zwei Tagestouren in Thüringen (Vogtland, Obere Saale, Schiefergebirge, Schwarzatal, Thüringer Wald, Rennsteig) und in Oberfranken (Frankenwald mit Hochfrankenwaldstraße, Kronach und ehem. dtsch. Grenzgebiet)
Seit zehn Jahren das erste Ostern ohne (Schicht-)Arbeit und zudem herrlichstes Wetter waren Gründe genug, sich mit dem Motorrad auszutoben. Thüringen stand auf dem Plan. Beide Touren waren etwa je 260 km lang und sehr anspruchsvoll vom Streckencharakter her. Beide Touren boten aber auch Aussflugsziele und landschaftliche Reize ohne Ende. Gestartet sind wir zu beiden Touren im Thüringer Vogtland in Greiz. Beide Touren sind gespickt mit Sehenswürdigkeiten, Ausflugszielen und Möglichkeiten für interessante Pausenstops – und nur einen Bruchteil stelle ich hier vor 
Am ersten Tag waren wir im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale, im ehemaligen deutschen Grenzgebiet und im Frankenwald bis nach Kronach unterwegs. Ein angesteuertes Ausflugsziel war Oppurg. Die kleine Gemeinde in Mittelthüringen besitzt ein hübsches Barockschloß. Auf dem Schloßgelände steht auch noch der alte Burgfried der ehemaligen Vorgängerburg. Ein Wahrzeichen Oppurgs ist die alte steinerne Orlabrücke. Der Türkenhof erhielt seinen Namen, weil der Fürstensohn erst weit nach dem Ende des Krieges gegen die Türken wieder heimkehrte und man nicht wußte, ob er es wirklich war. Das Gut war für ihn, Hans den Türken genannten Fürstensohn, erbaut wurden.
Die Route zu dieser äußerst abwechslungsreichen Tour verlief wie folgt: Greiz – B 92 in Richtung Weida bis Abzweig Hohenölsen, links abbiegen – Hohenölsen, Loitsch, Steinsdorf in Richtung Auma, Staitz, Wöhlsdorf – Auma, B 2 in Richtung Gera bis Abzweig Güttleritz, links abbiegen – Auma, Güttleritz, Triptis – Triptis zur B 281 in Richtung Saalfeld – B 281 Triptis, Miesitz, Neustadt an der Orla, Oppurg, Pößneck, Krölpa, Abzweig Könitz/Kaulsdorf, links abbiegen – Könitz, bei Kamsdorf, Kausldorf, zur B 85, links – B 85 Kaulsdorf, Hockeroda, Probstzella, Ludwigstadt, Pressig, Kronach – Kronach, zur B 173/B 303 in Richtung Naila/Hof – B 173 Kronach, Kreuzberg, Marktrodach, Zeyen, Remitzhof – Remitzhof B 173 nach links in Richtung Steinwiesen/Nordhalben verlassen – Remitzhof, Steinwiesen, Klingersmühle, Kochsmühle, Stoffelsmühle – Nordhalben, Richtung Lobenstein – Rodacherbrunn, Hornsgrün, Neundorf – Bad Lobenstein – zur B 90 in Richtung Saaldorf/Gefell – bei Frössen die B 90 rechts … links verlassen in Richtung Hirschberg – Göritz, Ullersreuth, Hirschberg, Juchhöh – Juchhöh, B 2, links Richtung Gefell/Schleiz – B 2 Juchhöh, Dobareuth, Gefell, bei Schillbach, Zollgrün, Schleiz-Heinrichsruh – Heinrichsruh, Kreisverkehr, rechts in Richtung Plauen – B 282 Heinrichsruh, Langenbach, Mühltroff, Waldfrieden, B 282 nach links verlassen – Waldfrieden in Richtung Ranspach – Ranspach, Oberreichenau, Pausa, Ebersgrün, bei Wolfshain, Dobia, Wellsdorf, Erbengrün, Naitschau – Naitschau zur B 94 in Richtung Greiz – Greiz
Am zweiten Tag fuhren wir wiederum in Richtung Obere Saale und Schiefergebirge, schlugen dann aber den Weg in Richtung des herrlichen Schwarza-Tals ein und erreichten danach nach einer Steilauffahrt den Thüringer-Wald-Kammweg “Rennsteig”. In Hummelshain, zwischen der Orlastadt Neustadt und der Porzellan- und Leuchtenburg-Stadt Kahla, entdeckten wir ein ehemaliges Jagdschloß. Das Gebäude nebst Gelände diente nach Gründung der DDR als Jugendwerkhof. Im Moment steht es leer. Der Park, mehr ein kleiner Wald oder forstbotanischer Garten, und das Schloß selbst, sind ein wenig dem Verfall anheimgefallen. Ein Käufer wird gesucht. Noch hat all die Vergänglichkeit etwas Romantisches. Wenn aber nichts passiert, sieht es nur noch verwildert oder trostlos aus.
Wir fuhren weiter ins zauberhafte Schwarzatal. Die Schwarza ist ein Nebenfluß der Saale im Thüringer Wald, in diese mündet sie im Rudolstädter Ortsteil Schwarza. Die Schwarza wurde 2006/07 ausgezeichnet als Flußlandschaft des Jahres und ist zudem der goldreichste Fluß Deutschlands. Auf Nuggets haben wir es aber nicht abgesehen, eher auf Kurvenwedeln auf zwei Rädern
Über den Rennsteig bei Neuhaus am Rennweg fuhren wir zurück ins Schiefergebirge bei Lehesten. Das Schiefergebirge hat seinen Namen (ähnlich wie das Erzgebirge vom Erzbergbau) vom hier zahlreich vorzufindendem Schiefergestein und dem damit verbundenen Abbau. Die Thüringisch-Fränkische Schieferstraße erstreckt sich zwischen Thüringer Wald, dem Vogtland und dem Frankenwald. In den stark gefalteten Sedimenten des Erdaltertums entstanden hier Lagerstätten der Griffel- und Dachschiefer. Diese werden schon seit Jahrhunderten abgebaut. Die Landschaft ist vor allem durch den Schiefer geprägt. Man erblickt in mannigfaltig an den Gebäuden dieser Region. Das historische Zentrum des Thüringer Dachschieferbaus befindet sich in Lehesten. Seit Jahrhunderten bildet der Schieferbergbau die Grundlage des wirtschaftlichen Lebens der Stadt. Die Bergstadt liegt auf der Hochfläche „Steinerne Heide“. Zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert begannen die Menschen mit dem Bergbau und machten ihre Stadt über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt. Allein schon beim Durchfahren der umliegenden Orte bemerkt man die Dominanz des Schiefergesteins als Baumaterial. Fast logisch, daß sich hier in Lehesten eine Dachdeckerschule befindet. Im Ort findet man ein Schieferbergbaumuseum und einen sehenswerten Pferdegöpel, den Schieferpark Lehesten und den Altvaterturm auf dem Wetzstein. Als dunkles Kapitel der Stadt findet sich hier in der Gedenkstätte Laura eine ehemalige Außenstelle des KZ Buchenwald. In der Lehest´ner Kirche kann man die wahrscheinlich größte jemals aus einem Stück gehauene Schiefertafel von 7,8 qm Größe bestaunen. Heute werden in Lehesten und Schmiedebach noch der Thüringer Dachschiefer und Werksteine gewonnen und verarbeitet und verkauft. Gleichzeitig befinden sich in den beiden Städten ein Zentrallager und der Versand. Auch in Leutenberg, Probstzella und Unterloquitz beeindrucken bergbauliche Anlagen. Die Orte selbst dokumentieren in anschaulicher Weise das hohe handwerkliche Können der Schieferdecker dieser Region. Der Schiefer verleiht der Landschaft auf vielfältige Weise ihren Charakter: Dächer, Wandverkleidungen, Mauern und Wege sind häufig aus diesem Material hergestellt. Die größten Schiefertagebaue des Europäischen Festlandes und die Schieferhalden, inzwischen wertvolle Biotope und als Naturschutzgebiet ausgewiesen, prägen einzelne Landstriche.
Derart gebildet über das Schiefergebirge und den Ort Lehesten suchen wir den Altvaterturm auf dem Wetzstein auf. Abgesehen davon, daß der Altvaterturm einer der schönsten Aussichtstürme Thüringens ist, hat er auch noch eine andere Bedeutung: Der originale Turm stand auf dem Altvater, dem höchsten Berg des gleichnamigen Nebengebirges der Sudeten. Nach der Vertreibung wurde er vernachlässigt und stürzte Ende der 1950er Jahre ein. Auf dem Lehestener Wetzstein wiederum stand ein Bismarckturm, der die DDR nicht überlebte. Der 1999 begonnene Nachbau des Altvaterturmes soll ein Zeichen setzen: ein Zeichen der Aussöhnung, der Vergangenheitsbewältigung, der Heimat und der Heimatlosigkeit sowie ein Zeichen der Völkerverständigung. Gleichzeitig ist der Turm nebst Gastwirtschaft und Ausstellungsräumen ein Domizil von Vertriebenenverbänden.
Die Route zu dieser äußerst abwechslungsreichen Tour verlief wie folgt: von Greiz bis Neustadt an der Orla fuhren wir wie am Tag zuvor – Ausfahrt Neustadt/West bzw. Kahla, B 281 verlassen – Richtung Kahla – Böthen, Lichtenau, Hummelshain, danach links – Freienorla, Orlamünde, zur B 88, Richtung Rudolstadt – B 88 Orlamünde, Zeutsch, Uhlstädt, Etzbach, Kirchhasel – Rudolstadt – Schwarza – Bad Blankenburg, B 88 nach links verlassen ins Schwarzatal – Schwarzburg, Sitzendorf, bei Neu Leibis links – Unterweißbach, Oberweißbach, Cursdorf, Ziegelhütte – Neuhaus am Rennweg, zur B 281 – B 281 in Richtung Schmiedefeld/Saalfeld über Lichte bis vor Taubenbach – B 281 nach rechts verlassen – Lippelsdorf, Gebersdorf, Gräfenthal, Zopten – Probstzella, zur B 85, rechts … links – Kleinneundorfer Straße – Kleinneundorf, Großgeschwenda, rechts – Wickendorf, Lichtentanne, vor Schmiedebach in Richtung Lehesten – Lehesten, Röttersdorfer Straße zum Wetzstein – Weiterfahrt über Röttersdorf, Oßla und Hasslersberg nach Wurzbach zur B 90 – B 90 über Heinersdorf in Richtung Lobenstein – Lobenstein, Straße der Jugend, Richtung Schleiz – Schönbrunn, Ebersdorf, weiter in Richtung Schleiz/Saalburg – bei Zoppoten, Pöritzsch, Saalburg, Kloster, Gräfenwarth, A 9 kreuzen, Schleiz – Schleiz, Ortsmitte zur B 94 in Richtung Zeulenroda/Greiz – B 94 Schleiz, Lössau, Weckersdorf, Langenwolschendorf, Zeulenroda, Neuärgerniß, Göttendorf, Naitschau, Zoghaus – Greiz
Auch wenn wir nach den 520 Kilometer erlebnisgesättigt waren, möchte ich noch vier Abschnitte vorstellen, die sich gut und gern nach Belieben einbauen lassen und für Motorradfahrer sehr lohnenswert sind
Vier Zusatzvorschläge
Schwarzatal fortführend: Schwarza-Tal ab Bad Blankenburg wie in der Tour oben beschrieben, dann weiter ab Sitzendorf – Neu Leibis – Glasbach – Schwarzmühle – Katzhütte – Neuhaus a. R.
Saalfelder Höhe: B 88, Bad Blankenburg (Ort mit Burg Greifenstein und Falknershow), zur Wirrbacher Straße – Unterwirrbach – Dittrichshütte – bei Witzendorf – Arnsgereuth, zur B 281 – B 281, Schmiedefeld … Neuhaus am Rennweg
Sormitztal: B 90 Lobenstein über Wurzbach und Leutenberg (Bikerherberge) bis zur Kreuzung B 90/ B 85 in Hockeroda
Höhe zwischen Leutenberg und Probstzella: B 90 Leutenberg – Rosenthaler Straße – Hirzbach – Schweinbach – Schlaga – Goßgeschwenda – Kleinneundorf – Probstzella an der B 85
Viel Spaß beim Selbsttest
Osterhase, Osterkaninchen oder Hirschnager bzw. Wolpertinger?
Bloß zur Vorinformation, ich gehe aber nicht weiter darauf ein: Der Wolpertinger ist ein bayrisches Fabelwesen und ein Mischlebewesen, wie es eigentlich nicht vorkommt. Nicht zu verwechseln mit der eierlegenden Wollmilchsau. Der Hirschnager vereint in sich den Hase, ein Hirschgeweih, Entenflügel und je nach Region noch bissel mehr.
Aber welcher Nager bringt nun die Ostereier? Es ist doch jedes Jahr dasselbe: man spricht vom Hase und zeigt Kaninchen. Dabei sind die Unterschiede gravierend! Sie sind so gravierend, daß eine sächsische Tageszeitung dem Hase-Kaninchen-Thema eine ganze Seite widmet. Und eine halbe Woche später schreibt diese Zeitung einen Artikel über lebende Ostergestaltung (Hasen und Küken) in einem Einkaufs-Center und zeigt, richtig: Kaninchen!!
Es soll ja auch Menschen geben, die glauben immer noch, daß ein Reh das weibliche Tier zum Hirsch ist. Und es gibt Menschen, die meinen, daß ein Pony der Nachwuchs der großen Pferde ist. Dann wäre es nur logisch, daß eine Eule die Frau oder Schwester des Uhus ist
Frohe Ostern
Zur Absicht der EU, Diesel höher zu besteuern
Da kauft man sich als Vielfahrer und Berufs(!)pendler ein Dieselauto, um kostengünstiger unterwegs zu sein. Der Kostenvorteil fährt sich aber erst nach einigen Jahren wieder ein. Und jetzt kommt´s: es gibt kaum einen Verbraucherbereich, wo man sich im Vorfeld sicher sein kann, richtige Gedanken zu Grunde zu legen. Es gibt für beinahe keinen Bereich des Lebens, der in diesem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem so etwas wie Planungssicherheit bietet. Und die Politik hat da eine große Aktie dran!
Diesel ist energiereicher, deshalb soll ich höhere Energiesteuer bezahlen. Bezahle ich als Dieselautobesitzer nicht schon höhere KFZ-Steuer und höhere KFZ-Haftpflichtversicherung? E10-Wundersprit enthält weniger Öl als herkömmliches Super, da mehr Äthanol – und es ist weniger energiereich. Aber mitnichten bezahlt man für E10 weniger Energie- und Mineralölsteuer als bei herkömmlichen Super. Also lautet ein Steuergesetz zugunsten des Staates: Hoch geht immer, runter nimmer. Ich warte schon auf die Besteuerung der Sonnenenergie . . .
Es wird höchste Zeit für alternative, brauchbare, bezahlbare und alltagstaugliche Antriebskonzepte. Für alle, die mit dem Handel von Ölprodukten zu tun haben (insbesondere Heizöle und Verbrennungskraftstoffe in Fahrzeugen und Kraftwerken), für all jene ist dies eine “Lizenz zum Geld drucken”. Und so lange, wie auch nur mit noch einem Tropfen Öl Geld zu machen ist, so lange wird weiter alle Entwicklung verschlafen – sehr zu Lasten der Verbraucher.
Interessant ist auch, wie immer nur einzelne Gruppen für Repressalien auserkoren werden. Somit denkt immer der Rest des Volkes: “Uff, mich betrifft es diesmal nicht.” Aber es ist jeder einmal dran – und dann geht die Runde von vorn los. Die Steuer- und Einnahmenpolitik ist erfinderisch. Mal sind es die Autofahrer, mal die Raucher. Mal sind es die “Hartzer”, mal die Kinderlosen, mal die Mieter und so weiter. Mal sind es die Ölheizungsbesitzer, mal die alternativ Heizenden. Mal sind es Pendler, mal Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs.
Dabei ist besonders verwerflich, wie ohnehin bestehende Spannung ausgenutzt und aufgebauscht werden und wie gegensätzliche Gruppen geschickt miteinander ausgespielt werden. So zum Beispiel die Autofahrer (PKW, Diesel und LKW) und die Motorradfahrer, die Raucher und die Nichtraucher, die Kinderlosen und die Familien bzw. die Kinderreichen. Die Mieter und die Vermieter und unter denen wiederum die Besitzer von MFH oder EFH. Die arbeitende und teilweise geringverdienende Bevölkerung gegen Arbeitslose und „Hartzer“. Nur eines scheint neben der vordergründigen Absicht, Geld für den Staat zu beschaffen, nicht von Interesse zu sein: Probleme wirklich zu lösen oder einmal anders anzugehen als mit den alten und mehrfach gescheiterten Mitteln.
Mit dem Motorrad ins Land der -grüns und -reuths (Vogtland) sowie Besuch der Klingenthaler Kirche Zum Friedensfürst
Am sommerlich warmen 03. April des Jahres 2011 sahen wir keinen Grund, es mit dem Motorrad nicht ins Obere Vogtland/Westerzgebirge zu wagen. Und in der Tat war es so, als hätte es nie einen harten Winter gegeben. Die Natur explodiert. Freilich lagen noch ein paar schmutzige Schneehaufen am Rande im Wald – besonders im Raum Morgenröthe-Rautenkranz und Schöneck ist das noch der Fall. Immerhin gilt Morgenröthe deutschlandweit im Allgemeinen und in Sachsen im Besonderen zu den kältesten Orten. Auch der Baumbestand selbst trägt stark an den Wunden des winterlichen Schneebruchs. Die Schäden werden auch nicht von heute auf morgen beseitigt sein.
Im Erzgebirge kennt man mehrere Rund- und 8-eckige Kirchen, so unter anderem in Seiffen, Carlsfeld und Forchheim. Die in Klingenthal kannten wir nicht. Also machten wir uns vom Thüringer Vogtland aus auf Tour. Wir sind in einer Region unterwegs, in der 80% der Orte auf -grün oder -reuth enden. Wenn man sich die Arbeit überhaupt macht und den Ort nicht gleich Reuth nennt (ich kenne wenigstens drei Reuths
). Die Klingenthaler Kirche sollte unser Ziel sein. Ob Klingenthal nun zum Oberen Vogtland (Sachsens) oder ins Westerzgebirge gehört … beides ist wohl richtig. Dennoch fühlt man sich hier mehr dem Vogtland zugehörig, dem vogtländischen Musikwinkel genaugenommen.
Entspannt sind wir im dünn besiedelten Westerzgebirge / Oberen Vogtland unterwegs. Daß wir stetig an Höhe zulegen bleibt trotz gelegentlicher Talfahrten nicht unbemerkt. Die kurvenreichen und zumindest die von uns befahrenen Straßen haben den Winter relativ unbeschadet überstanden. Dennoch heißt es bei der ersten Motorradtour des Jahres ins Gebirge: “Übermut tut selten gut!”
In Morgenröthe-Rautenkranz steht ein Raumfahrtmuseum. Es erinnert an den Weltraumflug des ersten Deutschen im All. Sigmund Jähn flog mit Waleri Bykowski 1978 im Sojus 31 in den Weltraum. Vor dem Museum steht auch die ehemalige MiG 21 des hier in Morgenröthe-Rautenkranz geborenen Fliegerkosmonauten.
Wir sind am Oberlauf der Zwickauer Mulde unterwegs, die uns von der Talsperre Muldenberg entgegenkommt. Auffällig ist: seitlich der Mulde ziehen sich künstlich angelegte Wasserwege durchs Land. Es sind ehemalige Floßgräben. Die mittelalterliche Flößerei (das Obere Vogtland war und ist sehr holzreich) erlebt hier eine Besonderheit. Auf breiten Flüssen (auf dem Rhein, in der Taiga oder in Nordamerika) bauten die Flößer große Flöße und nutzten diese auch gleich zur Mitfahrt. Die Geländebeschaffenheit im Vogtland erlaubte diese Form der Flößerei nicht. Die Flößer liefen neben den Kanälen her und dirigierten die einzeln dahin treibenden Stämme mit Stangen vom Uferweg aus … bis weit ins sächsische Gebirgsvorland hinein. In Muldenberg wird die Tradition des Flößens mit Schauvorführungen, Wettkämpfen und Feierlichkeiten lebendig gehalten.
Weiter geht die Fahrt nach Klingenthal. Dazu muß man wissen: Klingenthal ist die einzige deutsche Stadt, die aus deutscher Sicht hinter dem Erzgebirgskamm liegt. Diesen überqueren wir bei Muldenberg. Kurvenreich und abwärts geht die Fahrt bis zur imposanten Vogtland-Arena. Gegenüber steht ein englischer Doppelstockbus als Imbiss-Gaststätte und lädt zur Einkehr ein. Seine letzte Fahrt, so steht noch am Bus zu lesen, verlief von London über Essex nach Klingenthal. Da wir aber nur noch bis zum Markt und zur Kirche wollen und zudem den Tankrucksack voller Verpflegung haben, müssen die Bus-Betreiber heute auf uns als Gäste verzichten.
Klingenthal gehört neben Markneukirchen und Schöneck nebst deren umliegenden Gemeinden zum vogtländischen Musikwinkel, der sich auf böhmischer Seite fortsetzt. Jahrhunderte alte Traditionen im Musikinstrumentenbau verschafften dieser Region einen Broterwerb und einen international bekannten Namen. Leider hat auch diese Branche heute so ihre Nöte. Qualität läßt sich eben nicht unbegrenzt billig herstellen und dann auf dem Wühltisch verramschen. Dennoch: das Saxophon des ehem. US-Präsidenten Bill Clinton stammt aus dem Vogtland!
Die Klingenthaler Kirche mit dem eigenartigen Namen Zum Friedensfürst ist interessant anzuschauen, jedoch hätte uns auch das Innere interessiert. Doch leider war die Kirche verschlossen. So traten wir nach der Pause am noch nicht in Betrieb befindlichen Springbrunnen auf dem Markt die Heimfahrt an.
Über Zwota, Oelsnitz und entlang der hier noch jungen Weißen Elster fuhren wir nach Theuma und weiter über Elsterberg zurück nach Greiz. Circa 180 km war diese kurzweilige Tour lang. Da wir nicht nur die B 283 und 92 nutzten, sondern auch Schleichwege erkundeten, tat sich uns so manch romantisches Stück Vogtland auf. Ein Highlight an Romantik war der Abschnitt B 283 – Zwotental – Gunzen – Wohlbach – Hermsgrün – Leubetha – zur B 92.
Ähnliche Ausflüge in dieser Region:
Motorradtour im Vogtland: KLICK HIER
Rundkirche in Carlsfeld / Westerzgebirge: KLICK HIER
Kirche in Theuma und Wasserburg-Ruine in Mechelgrün: KLICK HIER















