Archiv für Februar 2012


Verkehrsminister Peter Ramsauer will das Punktesystem reformieren.

Es gab eine Zeit, da bekamen wir statt Punkte in Flensburg Stempel in den der Fahrerlaubnis beiliegenden Berechtigungsschein (hieß der so?). Egal ob Punkte oder Stempel – das sei jetzt mal dahingestellt. Aber damals war mit 5 Stempeln im Berechtigungsschein die Fahrerlaubnis (so hieß sie in der DDR, denn den Führer hatte man ja abgeschafft) eingezogen. Ich glaube, für 8 Monate. Es gab nicht mehr und nicht weniger eingezogene Fahrerlaubnisse oder Fahrverbote, als heute. Vermute ich. Und wenn sich das neue Punktestrafmaß pro Einzelvergehen an die Obergrenze von 8 Punkten anpasst, relativiert sich wieder alles. Das ist, als würde ich bei einer Divisionsrechenaufgabe kürzen. Die Frage ist nur, warum sollte man es dann ändern….

Zeitgemäß wäre es gewesen, über eine Null-Promille-Grenze nachzudenken, über ein Tempolimit bei etwa 150 km/h zu diskutieren und wie man beispielsweise Nichtblinker oder falsch die Nebelschlußleuchte einsetzende Fahrer wirkungsvoller kontrollieren kann! Die Beispielkette ließe sich fortsetzen.

mein DDR-Führerschein 1987-2009

Im Übrigen wurde in den 1980er Jahren aus der DDR-Fahrerlaubnis dann doch wieder ein Internationaler Führerschein (ohne die beiliegende Stempelkarte). Meiner war immerhin noch bis 2009 gültig. Die DDR-Fahrerlaubnis hatte ich von 1979 an und musste sie irgendwann umtauschen.

weitere Themen:

Helmpflicht für Fahrradfahrer:  KLICK HIER

gefährliche Tankstellenausfahrten: KLICK HIER

Biker verunglückt?  KLICK HIER

 



Ein Tag in Würzburg im Februar des Jahres 2012

Im Februar 2012 weilten wir 2 ½ Tage in der alten fränkischen Universitäts-, Bischofs- und ehemaligen Residenzstadt. Zumindest war Würzburg dies über Jahrhunderte, bevor Franken zu Beginn des 19. Jahrhunderts an Bayern angeschlossen wurde (sehr zum Unmut der Franken). Eingebettet zwischen Rhön, Spessart und Steigerwald liegt die Stadt im Tal des Mains zwischen den Hängen klimatisch relativ geschützt. So ist auch der Weinanbau eine der tragenden landwirtschaftlichen Säulen schon seit Urgedenken. Außerdem bieten das milde Klima, der Weinanbau, das Flair am Ufer des Flusses und das Dasein der vielen jungen Menschen (Uni) eine Lebensfreude, die man schon fast als „südlich“ bezeichnen kann. Und tatsächlich pulsiert das Leben in der Innenstadt bis weit in die Nacht hinein. Selbst spätabends im Februar konnte man zahlreiche belegte Außensitzplätze vor den Gaststätten oder Stehtischchen vor den Weinlokalen finden. Viele Menschen bevölkern die Mainpromenade, die Alte Mainbrücke und den Marktplatz. Stimmengewirr und eine Geräuschkulisse, die von vielen Menschen ausgeht, wirken dazu begleitend.

Hoch über dem Ort wacht die Festung Marienberg über den Ort, in der Nacht zusätzlich angestrahlt und die Dominanz des Bauwerkes unterstreichend. Charakteristisch für die Würzburger Innenstadt sind die zahlreichen Dom- und Kirchentürme und die Türme der städtischen Bauten. Imposantes Gebäude unweit des Marktplatzes: das Residenzschloß Würzburgs. Leider war der Hofgarten (Park) im Februar ohne jegliche Vegetation. Grüne Bäume oder blühende Pflanzen stehen dem „großen grau-grünen Steinklotz“ Residenz sicher gut. Unbedingt anschauen sollte man das Innere des Schlosses mit den atemberaubenden Deckengemälden (von G. B. Tiepolo und J. Zick), den Stofftapeten, den Stuckarbeiten (von A. Bossi), dem Spiegelsaal und dem “wahrscheinlich schönsten Treppenhaus der Welt” (Zitat aus: Stadtplan für Gäste). Baumeister des Schlosses selbst war Balthasar Neumann, der Würzburg insgesamt seinen Stempel aufdrückte. Neben den Kirchen, der Festung und der Residenz findet man in Würzburg Spitäler (Juliusspital, gestiftet vom Fürstbischof Julius Echter), die Universität (Alte Uni mit Neubaukirche), die eindrucksvollen romanischen Gebäude Grafeneckart und Rathaus, den Marktplatz mit dem alten Röhrenbrunnen und das Tilman-Riemenschneider-Haus. Außerdem finden sich zahlreiche Weinstuben, Klöster und kleine Kapellen – besonders hier zu nennen die Stiftskapelle „Käppelle“ auf den Hängen des Mains neben der Festung.

Ein tragisches Ereignis für Würzburg ereignete sich im März 1945. Durch englische Fliegerbombergeschwader wurde Würzburg mittels Spreng- und Brandbomben sowie Luftminen dem Erdboden gleich gemacht. Etwa 4000 Todesopfer gab es zu beklagen. Ganze sieben (!) Häuser der Innenstadt überstanden den Luftangriff unversehrt. Die gesamte Altstadt inklusive Jahrhunderte alter Gebäude und der Mainbrücken war ein Haufen Schutt und Asche. Es wäre wahrscheinlich einfacher gewesen, Würzburg woanders neu aufzubauen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß man komplette Straßenzüge im Baustil der 1950er Jahre vorfindet – die sich aber baulich hervorragend einfügen und mich wiederum sehr an meine Heimatstadt Dresden erinnern. In einem von außen zugänglichen Erdgeschossraum des Hauses Grafeneckart ist ein Gedenkraum an die Nacht der Bombardierung eingerichtet. Dort befindet sich auch ein Modell des zerstörten Würzburgs. Der Besuch dieses Raumes ist sehr zu empfehlen!

Der Stadtplan von Würzburg, den wir von der Tourist-Information und an der Hotelrezeption erhielten, beinhaltet einen für Touristen ausgeklügelten Rundweg durch die Innenstadt und zu allen Sehenswürdigkeiten. Ich kann das nur empfehlen. Daß die Kälteperiode des Januar/Anfang Februar 2012 vorbei war und der Februar gegen Ende mit Frühlingswetter lockte, war ein zusätzlicher Bonus für uns. Wenn Engel reisen….

     

Siehe dazu auch den Blog “Würzburg bei Nacht”  KLICK HIER

 



Stimmungsvolle Nachtfotos aus Würzburg

am Main, Blick zur Festung

Stiftskapelle "Käppelle"

Durchgang zur Mainpromenade am "Alten Kranen"

Festung Marienberg

auf der Alten Mainbrücke

 



Auf dem Bahndamm liegt ein Gleis…..

Ein Mann ruft beim Bahnhofsvorsteher an und sagt: „Auf dem Bahndamm liegt ein Gleis!“ Meint der Bahnhofsvorsteher: „Ja, das sollte es wohl.“ Zehn Minuten später und schon etwas aufgeregt ruft der Mann wieder an: „Auf dem Bahndamm liegt ein Gleis!“ „Das soll es ja auch“, sagte der Bahnhofsvorsteher wieder. Noch einmal 10 Minuten später ruft der Mann – diesmal schon völlig durcheinander – wieder an: „Auf dem Bahndamm liegt ein Gleis!“ Der Bahnhofsvorsteher reagiert aufgebracht: „Das soll es ja auch, jetzt lassen Sie mich in Ruhe!“

Zehn Minuten später ruft der Chinese wieder an: „Jetzt haben sie ihn übelfahlen, den almen alten Mann.“

Wir hatten beim Studium einen Vietnamesen, der hat das „R” immer als eine Mischung aus „L und N” raus gequetscht. Er war ein lieber und lustiger Kerl, der Herr Thui. Klar können wir Deutschen manche Aussprachen auch nicht. Stellt Euch vor, wir MÜSSTEN chinesisch lernen und UNS dann DORT unterhalten ;-) Oder die Franzosen, die können kein „H” sprechen. Denkt nur an das Lied mit Peter Alexander und Mireille Mathieu.

In diesem Sinne auf gut chinesisch. „Lasst uns weitel albeiten, ohne knullen und mullen”

Und hier nun das Lied:

KLICK HIER



Erste Tankstellen-Kette führt flächendeckend Gebühr für Reifenluftdruck ein :-(

Dann verpufft also unser Geld tatsächlich in der Luft. Und es geht noch besser. Man stelle sich folgendes vor: Wenn die Börsenkurse für Reifenluft (noch gibt es diese nicht) steigen, steigt auch der Luftpreis an der Tankstelle. Und der kennt dann meistens nur einen Weg: Nach oben. Das kennen wir vom Sprit. Und dann ruft es sicher noch die Finanzämter mit Mehrwertsteuer und dergleichen auf den Plan. Eine Mineralölsteuer für Reifenluft gibt es zwar nicht – dann wird es eben Zeit für eine Luftsteuer. Und man könnte auch eine Premium-, Eco- oder E10-Luft erfinden und die herkömmliche Luft verteuern oder absichtlich im Angebot knapp halten.

Ist das lustig?  :-)   ;-)   :-)   Nein, das ist NICHT lustig!!

Und gleich noch ein Wort zu den Spritpreisen: Das Problem löst sich erst, wenn das Öl alle ist. Bis dahin verdienen sich einige (Ölmultis, Petrolkonzerne, Finanzämter und Steuereintreiber) dumm und dämlich!!!

Den einen Euro für die Luft könnte man (vielleicht!) noch verstehen, wenn dann auch die Qualität der Luftdruckautomaten stimmt und die Geräte ständig ordentlich gewartet werden. An vielen Tankstellen sind vor allem jetzt im Winter die Ventile so stark verrostet oder die Schläuche porös, so dass Luftprüfen unmöglich ist. Hier dann noch Geld zu verlangen wäre eine Unverschämtheit dieser Mineralöl-Multis oder der Tankstellenpächter. Und nicht immer passen die Aufsätze auf´s Ventil oder halten zuverlässig fest. Ich bin schon so oft mit weniger Luft wieder weggefahren als ich gekommen bin, da könnte man kotzen. Und auf zwei Rädern (Motorrad) ist das richtig gefährlich!



Der König ist tot. Es lebe der König!

Christian Wulff ist also nicht mehr. Die Wulffs-Schanze wird geräumt. Für ihn hat sich die Sache erledigt. Es ist nur beachtlich, wie jemand trotzig und bockig wie ein beleidigtes Kind abtritt. „Ich habe mich in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten. Ich habe Fehler gemacht (aha!), aber ich war immer aufrichtig (soso!).“ Nur mit der Moral hapert es ein wenig. Aber das ist nicht weiter schlimm, da hapert es bei allen Politikern. Was bleibt von ihm, außer der Satz „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“? Eine Fußnote in der Geschichte des Präsidial-Amtes. Hoffentlich ohne „Ehren“-Sold. Seine Frau, so scheint mir, ist da weniger am persönlichen Ende. So wie sie hocherhobenes Hauptes davon stolzierte …. diese Frau strebt nach mehr. Notfalls ohne ihn. Siehe Nachtrag Januar 2013

Was werden nun alles für Nachfolger gehandelt: alte und neue Gesichter, aktive und ehemalige Politiker, Bürgerrechtler und solche, die es gerne gewesen wären…. Karl Theodor zu Guttenberg war noch nicht dabei, Wolfgang Schäuble als eine Art Geheimwaffe für alle Fälle wird erwähnt, Edmund Stoiber (soll das ein PR-Gag sein?), Günther Jauch wird vorgeschlagen. Doch der wird sich hüten. Jauch kann nicht alles machen: „Wer wird Millionär“, „Stern-TV“, „Wetten Daß…“ und „Ich kann Bundespräsident“. Mein Gegenvorschlag: begrabt das unnütze Amt des Bundespräsidenten gleich mit „Wetten Daß…“ zusammen. Dann braucht man für ein Amt und eine Sendung, die/das keiner mehr so recht will, keinen Nachfolger suchen, der sich dann als unwürdig entpuppt. Margot Käßmann war im Gespräch…. Sie wäre mein heimlicher Favorit!

Zur Erinnerung, wer war Frau Käßmann: KLICK HIER

Jetzt wollen die Regierungsparteien einen Nachfolger suchen. Zusammen mit der Opposition. Aber Opposition heißt nur SPD und Grüne. Und während im TV ein Sprecher schwadroniert, daß man „Regierung-und-Opposition-übergreifend“ einen Kandidaten suchen und finden will, einen egal mit welchem Parteibuch oder auch ohne – in demselben Atemzug beschwert sich Frau Gesine Lötzsch auf einem anderen Sender zu Recht, daß die Linken nicht erwähnt, nicht beachtet und offenbar auch nicht zur Opposition gezählt werden. Mehrere Millionen Links-Wähler im Lande werden also nicht für voll oder werden für politisch unreif angesehen, die man vor sich selbst schützen muß. Immerhin sind die Linken sowieso an allem schuld! Sie haben vor anderthalb Jahren die Wahl J. Gaucks verhindert und sind somit die Schuldigen, daß wir nun einen korrupten ehemaligen Bundespräsidenten hatten. Solch eine Partei kann man natürlich bei der jetzigen Präsidentensuche nicht mit einbeziehen. Wie wäre es denn, wenn ein neuer Bundespräsident grundsätzlich keine Parteizugehörigkeit hat oder diese strengstens zu ruhen habe? Immerhin ist es sowas wie ein Not-König, ein Monarch für den Kleinen Demokraten mit Nostalgieträumen (Nostalgie, nicht Ostalgie!). Die englische Königin hat auch kein Parteibuch inne. Ich weiß nicht, wie man im westafrikanischen Burkina Faso hält, ob der dortige Premierminister Präsident Blaise Compaoré ein Parteimitglied ist. Aber da sind wir gleich beim letzten erschütternden Zwischenfall: Als Bundespräsident Horst Köhler vor anderthalb Jahren zurücktrat, war in Burkina Faso alles für einen Staatsbesuch des Deutschen Bundespräsidenten vorbereitet. Köhler reiste aber nicht mehr hin. Nun bereitete man alles für einen Staatbesuch Christian Wulffs in Burkina Faso vor – und Wulff trat zurück. Wird man nun in Burkina Faso jemals wieder etwas für den Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten vorbereiten? Oder, anders gefragt: sollte ein neuer Bundespräsident jemals wieder an einen Staatsbesuch in Burkina Faso denken? Es könnte ein schlechtes Omen werden . . . .  .   

Nachtrag Juni 2012: wie die Chemnitzer Freie Presse berichtet und sich dabei auf Bild am Sonntag beruft, ist “Christian Wulff gut gelaunt und mit sich im Reinen”

Wer hätte das gedacht, nachdem er doch gerade erst seinen “Job verloren” hat und Verantwortung für eine Familie hat. Aber er hat ja ein anständiges Ruhegeld mit auf den Weg bekommen. Da kann man schon “gut gelaunt und mit sich im Reinen sein”. Andere, die ihren Job (verschuldet, oder noch schlimmer unverschuldet) verloren haben, stürzen in tiefe Lebenskrisen, an den Rand der Existenz und in relativ kurzer Zeit in Armut.

Er lacht sicher auch sehr viel. Vermutlich kann er vor Lachen nicht einschlafen!

Seine Frau Bettina schreibt derweil ein Buch. Über was? Und wer wartet auf diese Lektüre? Seltsam, auf dem Arbeitsamt (sorry, der Agentur für Arbeit) findet man sie nicht zwischen all den Verzweifelten wieder. Vermutlich wäre(n) sie dort (beide) nicht vermittelbar…..

Nachtrag Januar 2013: wie die Chemnitzer Freie Presse berichtet, trennen sich Ex- Bundespräsident Wulff und seine Ehefrau Bettina: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/PANORAMA/Ex-Bundespraesident-Wulff-und-Ehefrau-Bettina-trennen-sich-artikel8212511.php 

Passt ER nicht mehr in IHR Erfolgskonzept, ist ER ein Opfer IHRES Erfolgsschemas? Oder passt SIE nicht mehr in SEIN Konzept vom Streben nach Höherem? Wie dem auch sei: es wundert mich jetzt nicht wirklich.   



Ein beeindruckendes Justizdrama und das Thema Todesstrafe – als Rahmen dient ein Ku-Klux-Klan-Attentat

In den amerikanischen Südstaaten, Mississippi 1967: Das Gebäude des jüdischen Anwaltes M. Kramer ist Ziel eines Ku-Klux-Klan Bombenattentates. Dummerweise fährt ausgerechnet an diesem Tag der Anwalt und nicht seine Frau die beiden Kinder in die Schule. Er macht mit den beiden 10-jährigen einen Abstecher zum Büro, bevor er in die Schule fahren will. Die Bombe explodiert, die beiden Kinder sterben. Der Anwalt überlebt schwer verletzt und nimmt sich später das Leben.
Mississippi 1993: Adam Hall (Chris O’Donnell), ein 26-jähriger aufstrebender Anwalt einer großen Anwaltskanzlei ohne Erfahrung in Todesurteilprozessen übernimmt die erneute Verteidigung von Sam Cayhall (Gene Hackman). Nach einem langwierigen Gerichtsprozess wurde er für das Attentat von 1967 zum Tode verurteilt. Der Verteidigung geht es um eine Aufschiebung der Todesstrafe, um eine Wiederaufnahme des Verfahrens und um eine Begnadigung.
Anwalt Hall hat beim Tode seines Vaters erfahren, daß er einen Großvater hat, der für einen schrecklichen Mord im Staatsgefängnis Mississippi einsitzt. Gesehen hat er ihn noch nie. Sam Cayhall wiederum weiß rein gar nichts von seinem Enkel, bekommt es aber schon beim ersten Besuch Adam Halls heraus.

Zunächst ist Cayhall keine große Hilfe und auf ein Entgegenkommen wartet der junge Anwalt umsonst. Er muß stattdessen Anfeindungen und persönliche Diffamierungen über sich ergehen lassen. Zu groß ist auch der Hass Sam Cayhalls auf die Gesellschaft und die Politik, auf die Juden und auf die “Nigger”. Seit mehreren Generationen herrscht in der Familie der Geist des Klans, mit dem der junge Cayhall von früh an aufwachsen muß. Reue zeigt Cayhall keine – und auch zu Worten des Bedauerns oder zu einer Entschuldigung gegenüber der verbliebenen Miss Kramer sieht er keinen Anlaß. Es läßt ihn auch scheinbar kalt, daß er zwei Familien zerstört hat: die Opferfamilie und die eigene. Von der Opferfamilie lebt nur noch Miss Kramer und aus der Familie Cayhall nur noch die Tante des jungen Anwaltes, Lee Cayhall Bowen (Fay Dunaway). Beide sind seelische Wracks und beide müssen auf ihre Art versuchen, etwas zu verarbeiten, was eigentlich nicht zu verarbeiten geht.

Anwalt Adam Hall setzt alles daran, seinen Großvater fair verurteilt zu sehen. Dazu bedarf es der Akteneinsicht beim FBI und der Hilfe des Gouverneurs. Außerdem muß er sich mit der dunklen Geschichte seiner eigenen Familie auseinandersetzen. Und so nach und nach gibt auch Sam Cayhall seine widerspenstige Haltung auf. Allmählich bekommt Adam Hall Einblicke in die Sichtweisen des Ku-Klux-Klans, in den Aufbau der Organisation und er versteht, daß sein Großvater niemals allein der Täter und auch nicht der befehlsgebende Urheber des Attentates gewesen sein kann. Er steht aber auch der Tatsache hilflos gegenüber, daß eine rassistische, verbrecherische Organisation wie der Ku-Klux-Klan Strippenzieher und Geldgeber in höheren Gesellschaftsschichten zum Beispiel in der Politik und in der Wirtschaft benötigt. In keinem Land der Welt und in keiner Justiz jedweden Landes geht die Justiz gegen die Mitglieder der Führungsetagen verbrecherischer Organisationen vor, die ein doppeltes Spiel in Politik und Wirtschaft einerseits und im Ku-Klux-Klan, der Mafia oder bei den rechtsextremen Neonazis anderseits spielen. Und auch Sam Cayhall dämmert es allmählich, daß er sterben muß, weil er zum Spielball der Mächtigen und der Politik geworden ist. Der wahre Schuldige beziehungsweise der Auftraggeber kommt vorläufig ungeschoren davon. Denn obwohl dieser noch rechtzeitig ermittelt wurde, behält der Gouverneur diesen und andere Namen hochrangiger Personen für seinen nächsten Wahlkampf zurück.

Damit wäre eigentlich die Rahmenhandlung fertig erzählt. Aber was bleibt im Kern der John Grisham-Verfilmung noch beim Zuschauer hängen? Da sind zum einen die inneren Konflikte der betroffenen Personen – vornehmlich des Anwaltes, seiner Tante Lee Cayhall Bowen, der Überlebenden der Opferfamilie Miss Kramer und nicht zuletzt des Verurteilten selbst. Es geht um Reue und Vergebung und um das Eingestehen von Schuld und Sühne. Es geht nicht zuletzt auch um das unmenschliche System der amerikanischen Todesstrafe, das die Gesellschaft der USA bis heute spaltet. Auch mit noch so ausgefeilten Techniken ist es nicht einfach und gleich gar nicht menschlich, einen Menschen zu töten. Und es stirbt sich auch nicht einfach, auch wenn man das so gern behauptet. Welche nervlichen Kämpfe Todestrakt-Kandidaten durchmachen müssen, lässt sich nur erahnen. Sie haben Schuld auf sich geladen, viele sogar grässliche Verbrechen begangen. Aber was ist, wenn doch auch nur einer unschuldig war? Dann könnten nämlich auch noch mehrere unschuldig gewesen sein! Die deutsche Justiz mag sehr häufig nicht im Namen des Volkes richten. Die amerikanische Todesstrafe ist aber auch keine Lösung.

Und so ist es oftmals durch aufopferungsvolle Betreuung nur noch möglich, den Verurteilten zu Reue, zu Entschuldigungen und zur Aussöhnung mit seiner Familie und den Opfern zu führen. Und dann betritt der Delinquent zwar mit weichen Knien, dafür aber erhobenen Hauptes und mit sich selbst im Reinen seine Richtstätte. Das kann die Giftspritze, der elektrische Stuhl oder wie im Film die Gaskammer sein. Ob die Menschen, die mit dem Scherbenhaufen leben müssen, den der Hingerichtete in ihrem Dasein hinterlassen hat, dadurch Befriedigung erfahren, ist fraglich.

Warum bekommt die Verfilmung von Grishams “Die Kammer” (nur) vier Sterne? Weil ich zwei Filme kenne, denen diese Thematik besser gelingt: der Streifen “Dead Man Walking” mit Susan Sarandon und Sean Penn sowie die (ebenfalls Grisham-)Verfilmung “Die Jury” mit Samuel L. Jackson, Sandra Bullock, Kevin Spacey und Matthew McConaughey als Anwalt. In beiden Filmen gelingt die Thematik Justizdrama und die Aufarbeitung des Themas Todesstrafe besser. Und in beiden Fällen wird das Thema (Rassen-)Haß und Gewalt sowie die Tragik der zurückbleibenden und seelisch zerrütteten Familien besser, bewegender und aufwühlender – einfach emotionaler – behandelt!

“Die Kammer” lebt hauptsächlich vom Hauptdarsteller Gene Hackmann – und auch die zweiten Hauptdarsteller in “Die Jury” und “Dead Man Walking” (Anwalt Jake Tyler Brigance alias Matthew McConaughey und Nonne Helen Prejean alias Susan Sarandon) machen ihre Sache besser, als Adam Hall (Chris O’Donnell) in “Die Kammer”

Die Kammer: KLICK HIER



Zum Tod von Soul-Superstar Whitney Houston

Sie war nicht die Erste und es wird nicht die Letzte sein. Ein tragischer Lebenslauf fand sein plötzliches Ende.

Rückblick um etwa 50 Jahre: als Joe Cocker nach Woodstock bekannt und berühmt wurde, wurde natürlich auch sofort die erste CD (sorry, damals LP) veröffentlicht und er wurde zu seiner ersten Tournee geschleppt. Danach hatte er den Rein„gewinn” von circa 500,- oder 800,- Dollar in der Tasche und war so fertig mit sich und der Welt, daß er sich drei (!) Jahre zu seinen Eltern nach England verkrochen hat, bis er sich wieder an die Öffentlichkeit gewagt hat.
Debbie Harrie von Blondie bezeichnete die Musikszene als die „härteste Szene der Welt”! Da ist sicher etwas dran. Und außerdem ist noch etwas ist unbestreitbar: Die Künstler werden ja keine schrägen Menschen, weil sie Künstler sind – und weil das jeder erwartet und es als Künstler  dazugehört. Diese Menschen werden Künstler, weil sie von Haus aus schräg und schrill sind – auf irgendeine Art jedenfalls. Schräg in ihrer Persönlichkeit und dennoch mit einer einzigartigen Gabe gesegnet. Ich meine, diese Menschen werden ja nicht zu Exzentrikern, weil sie berühmt sind und ein öffentliches Leben führen. Ich denke, diese Leute werden Star und Promi, weil sie von Haus aus eine exzentrische Veranlagung haben. Der Rest ist dann nur noch Steigerung vorhandener Anlagen durch plötzlich neue Möglichkeiten. Stellt sich nur die Frage, wieso es sehr gute und namenhafte Künstler gibt, die ohne (negative) Schlagzeilen auskommen (Amy McDonald, Duffy)?

Daß sich die Vertreter der Medien wie Aasgeier auf so ein gefundenes Fressen wie schlagzeilenträchtige Promis stürzen, ist hinlänglich bekannt. Schon normale Jugendliche treiben beim Erwachsenwerden die Eltern und die halbe Verwandtschaft zur Verzweiflung – bei Promis kommen eben die Medien und die Öffentlichkeit noch dazu. Und an den Eskapaden von Spears, Winhouse, Gebrüder Gallagher, Lohan, Doherty oder Barrymore und vielen anderen kommen selbst DIE Medien nicht vorbei, die sich eigentlich anderer Berichterstattung verschrieben haben. Und nicht alle dieser Kandidaten auf lebenslangen Promi-Ruhm haben es geschafft. Die ich hier genannt habe, sind nur ein Bruchteil!! Manche leben nicht mehr (mit nicht einmal dreißig Jahren), andere sind lebendige Wracks. Auch Janis Joplin, Jimmi Hendrix und Jim Morrison hatten damals schon „ein Ding an der Mütze“: Wahnsinn und Genie gehen Hand in Hand (Lied von Lindenberg) Eben solche Persönlichkeiten passen in diese Szene! Die suchen sich nicht den normalen Alltag. Da ist dann auch eine von Drogen und Gewalt geprägte Ehe wie bei W. Houston nur noch eine Beigabe zur ohnehin gescheiterten Existenz.
„Was ist ein guter Motorradfahrer” wurde ein Motorrad-Buchautor gefragt. „Einer, der am Ende seiner Motorradfahrerlaufbahn noch lebt und gesund ist”, antwortete dieser. Was macht dann einen guten Star aus? Einen, der die „mörderischste Szene der Welt überlebt hat”, wie Debbie Harry meint?

Und noch etwas kommt hinzu: früher hatten die Stars Zeit, ein Superstar zu werden. Haute werden sie sofort Superstar. Dann gibt es Bettwäsche, Tassen und Mousepads mit ihrem Konterfei. Ihre Musik ist als Klingelton zu haben und bevor die erste CD erscheint, wird ihre Musik schon illegal aus dem Netz gezogen. Wenn dann die erste CD erscheint und dann erste Konzert geplant ist, kann man es schon nicht mehr hören – und dann sollen sie sehen, wie sie damit klarkommen.
Bei einer Castingshow fiel tatsächlich folgendes Urteil: „Sie ist sexy, sie kann tanzen und sie sieht gut aus. Die besten Voraussetzungen also für eine Gesangskarriere.” Sie will also Sängerin werden? Wo, bitteschön, kommt das in der Einschätzung ihres Auftritts zur Geltung? Hätte da nicht gesagt werden müssen: „Sie kann singen und sie hat eine wunderbare Stimme“? Wir sollten uns mal überlegen, was wir von diesen Personen eigentlich wollen und erwarten. Und daß es letztendlich auch nur Menschen sind, die da in der „mörderischsten Szene der Welt” zerrieben werden!

I Will Always Love You (Bodyguard Film Music): KLICK HIER



Schnappschüsse zum Liedtext “Spiegelbrille” von Peter “Cäsar” Gläser

Der Ex-Leipziger Peter Gläser, der den Spitznamen Cäsar trug, gehört definitiv zu den mir liebsten Musikern der DDR. Seine tiefe Gesangsstimme und sein grandioses Gitarrenspiel sowie seine Fähigkeiten, zu texten und zu komponieren, ließen ihn mehr als nur eine Randnotiz in der DDR-Musiklandschaft sein. Er gehörte zur Renft-Combo sowie zur “Nachfolge-Band” Karussell. Losgelöst von diesen beiden Bands begann er eigene Musikprojekte mit Cäsars Rockband sowie mit Cäsar und die Spieler. Auch beim einmaligen Bluesprojekt von Amiga (DDR-Platten-Label), der Amiga-Blues-Band, war er dabei. Leider lebt Cäsar nicht mehr . . . .

Zum Tod von Cäsar:  KLICK HIER

Mehr zu Peter Gläser unter: KLICK HIER

Der folgende Liedtext stammt aus der Zeit mit Cäsar und die Spieler und passt so schön zu meinen Schnappschüssen von heute:

“Spiegelbrille”

Hab´ eine Brille mit Spiegeln bestellt
gegen die Sonne, gegen die Welt.
Zahlt mir die Kasse den halben Preis,
trag´ ich sie auch in der Dunkelheit.

Hab´ eine Brille mit Spiegelglas,
und meine Freundin sagt, ich hätte was
unvergleichliches im Vergleich:
statt einer Freundin hätt´ ich nun zwei!

Was ich nicht seh´, das macht Dich heiß.
Alles and´re geht doch viel zu weit,
auf alle Fälle über´n Horizont,
was sich aber nur im Urlaub lohnt.

Hab´ eine Brille mit Spiegeln drin,
gegen den Regen, gegen den Wind.
Wenn ich sie mir auf die Stirne schieb´,
bin ich zwar blind, doch ich blicke tief.

(Peter “Cäsar” Gläser)

 



Ein Wintertag an der teilweise zugefrorenen Weißen Elster zwischen Berga und Weida, hier an der Chlodra-Mühle im Landkreis Greiz im Thüringer Vogtland

 


Februar 2012
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