Zwei Wochen Motorradurlaub im Biosphärenreservat „Mittlere Elbe und Hoher Fläming“

Nachdem im Jahr 2009 Gebirgsurlaub mit dem Motorrad angesagt war (Fränkische Schweiz und Schwarzwald), haben wir uns für 2010 für das Flachland entschieden. Mecklenburg und Brandenburg sind für uns Regionen mit hohem Erholungsfaktor, und speziell aus Mecklenburg fahre ich immer mit etwas Wehmut wieder heim ins hektische Sachsen. Die Uhren im Norden der Republik ticken anders, aber nicht schlechter! Diesmal sollten die Region an der Mittleren Elbe und der Hohe Fläming unser Ziel sein.

Anreise

Der Sommer 2009 war Mitte September jäh zu Ende und es wurde Herbst, gerade so, daß wir aus dem Schwarzwald zurück waren. Aber es war kein schöner goldener Herbst. Genau wie der folgende Winter zwar winterlich war, aber fast ohne jegliche belebende Wintersonne. Dafür ging er schneereich und kalt bis weit ins Frühjahr. Das aber wiederum verdiente den Namen Frühling nicht. Geheizt wurde bis Juni. Der Juli nahm uns schlagartig die Atemluft und die Lust auf´s Motorrad fahren. Der August begann mit Hochwasser und versank im Regen. Während der Juli den Titel „heißester Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“ ganz knapp verpasste, schaffte der August den Rekord „regenreichster August seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“. Uns wurde angst und bange. Der Urlaub rückte näher und wir fragten uns, welche Kapriolen bezüglich des Wetters für uns noch offen waren :-(

Wir spielten mehrere Gedanken durch. Alles abblasen und mit dem Auto fahren? Mit dem Auto fahren und bei Wetterbesserung evtl. die Fahrzeuge daheim tauschen (wir sind ja nur 200 km weg von daheim)? Oder auf meine (meistens) positiven Wettereinflüsse vertrauen und das Beste hoffen? Jedenfalls bin ich einen Tag vor der Urlaubsfahrt auf dem Weg von Chemnitz zum gemeinsamen Startpunkt in Greiz in drei heftige Regengüsse gekommen. Das konnte ja heiter werden…  Am nächsten Tag starteten wir vorsichtshalber in Regenkombi und das war gut so. Es gehörte viel Optimismus dazu, frohen Mutes zu sein ;-)

Der Wetterbericht sagte ab Dienstag … Mittwoch heiteres Wetter und stabile Wetterlage voraus. Nur verstehe ich nicht, warum die Schönwettervorhersagen meistens mit erheblicher Verspätung zutreffen und von einer anvisierten Woche nur ein halber Tag übrig bleibt. Bei den Schlechtwetterprognosen klappt das besser.

Wie dem auch sei, ab jetzt nehmen wir es, wie es kommt. Und es kam ganz anders!

Naturpark Hoher Fläming

Zu Beginn etwas Heimatkunde

Was wissen wir über den Fläming? Nicht viel, glaube ich (auch wenn ich nicht heimat-doof bin). Aber erst zur Elbe: das Biosphärenreservat Mittlere Elbe steht unter dem Schutz der Unesco. Naturbelassene Flussufer, Flussauen und Auenwälder in Verbindung mit Wiesenbiotoben, Sumpfwiesen und zahlreichen Zuflüssen aus Bächen und ehemalige Elbseitenarme prägen diese Region, vorwiegend in Sachsen-Anhalt. Eine vielfältige und teils einzigartige Tier- und Pflanzenwelt findet sich hier. Prominentestes Beispiel, der Elbebiber. Die Bebauung dieser Region ist weitläufig. Es lässt sich hier entspannt leben und reisen. Beispiele für sanften Tourismus sind der Elberadweg oder das Wasserwandern per Kanu. Oder man erkundet das Gebiet mit dem Motorrad. Dann aber nicht mit der Gashand, sondern mit Herz und Sinn. Da ich ohnehin ein Liebhaber von Flusslandschaften bin, waren das alles schon viele Gründe, hier Urlaub zu machen. Ebenso gehört das Gartenreich Dessau-Wörlitz zur Region Mittlere Elbe.

Und nun zum Fläming. Der Fläming ist eine historisch gewachsene Kulturlandschaft zwischen Magdeburg in Sachsen-Anhalt und Finsterwalde in Brandenburg (Niederlausitz). Die Grenze zwischen dem Hohen Fläming und dem Niederen Fläming stellt in etwa die Stadt Jüterbog dar. Der Hohe Fläming kann mit Augenzwinkern als kleines Mittelgebirge bezeichnet werden. Der höchste Berg, der Hagelberg bei Belzig, erreicht immerhin eine „Höhe“ von 201 m. Dennoch, die Werbung am Ortsausgang von Coswig „der Berg ruft“ für den 142 m hohen Hubertusberg (mit Bismarckturm und Ausflugsgaststätte) erscheint mir dann doch übertrieben. Aber trotzdem: der hohe Fläming ist im Vergleich zur Region erstaunlich hügelig und die Straßen kurvenreich.

Den Namen bekam der Fläming im Nachhinein auf Grund der Besiedlung durch flämische Einwanderer (heute Belgien, Holland) im 12. Jh.

Nach der Völkerwanderung waren die ostelbischen Gebiete weitgehend besiedlungsleer. Slawen rückten nach und drangen westwärts. Durch die Wiederbesiedlung kamen sich Deutsche und Slawen (Wenden, Sorben, Polen) in die Quere. Die angestrebte Christianisierung der heidnischen Slawen mit Gewalt, Feuer und Schwert barg gewaltige Konflikte. Diese Erkenntnis kam Albrecht dem Bären, dem Askanier. Nach dem letzten großen Slawenaufstand beschloß der Fürst, die Slawen anders zurück zu drängen. Ähnlich wie die Markgrafen von Meißen sich Franken ins Land holten, so holte sich der Begründer der Mark Brandenburg Flamen ins Land. Die Slawen wurden bei der Neubesiedlung des Landes mit eingebunden und dabei unbemerkt zurückgedrängt. Heute finden wir slawische Besiedlungen nur noch in den sorbischen Ortschaften der Lausitz.

Die Flamen brachten Kenntnisse im Backsteinbau, neue landwirtschaftliche Kenntnisse (Dreifelderwirtschaft), Kenntnisse im Mühlenbau und Fertigkeiten bei der Herstellung feinen Tuches mit.

Für uns bot sich somit ein Urlaubsort an, der die Mittlere Elbe und den Hohen Fläming als günstigen Tourausgangspunkt verband. Und so fiel unsere Wahl auf das unscheinbare Städtchen Coswig OT Möllensdorf an der Elbe in Sachsen-Anhalt.

Die Region mit in der Geschichte mehrfach wechselnden Landesgrenzen wurde maßgeblich durch die mittelalterliche Politik der Wettiner und Askanier, aber auch der Welfen, geprägt. Nach dem Aussterben der Askanier und einige Jahrhunderte später traten auch die Hohenzollern als preußische Herrscher auf den Plan.  Vergessen sollten wir auch nicht, daß hier von Wittenberg die Reformation des christlichen Glaubens seinen Ausgangspunkt nahm. Daß wir hier also eine geschichtsträchtige deutsche Gegend bereisen, war uns klar.

Obwohl wir einerseits vorwiegend im Hohen Fläming und an der Elbe unterwegs waren, so schweiften wir andererseits auch gewaltig ab. Wir waren zwischen Barby in Anhalt an der Elbe und Belgern in Nordsachsen an der Elbe unterwegs. In der Nord-Süd-Richtung bereisten und erkundeten wir das Gebiet zwischen der Stadt Brandenburg  und Gräfenhainichen. So kamen wir auch an die Ausläufer der Dübener Heide, an die Straße der Romanik und in die Mündungsgebiete der großen Elbezuflüsse wie Schwarze Elster, Mulde und Saale.

im Fläming und an der Elbe

Der gesamte Urlaubsbericht mit Tourtips und Wissenswerten für Motorradfahrer ist in Kürze als PDF-Datei abrufbar. Kontakt über meine Motorradtouren-Homepage oder hier im Blog über die jeweiligen Kontaktdaten im Impressum.

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