Zwei Tagestouren in Thüringen (Vogtland, Obere Saale, Schiefergebirge, Schwarzatal, Thüringer Wald, Rennsteig) und in Oberfranken (Frankenwald mit Hochfrankenwaldstraße, Kronach und ehem. dtsch. Grenzgebiet)

Seit zehn Jahren das erste Ostern ohne (Schicht-)Arbeit und zudem herrlichstes Wetter waren Gründe genug, sich mit dem Motorrad auszutoben. Thüringen stand auf dem Plan. Beide Touren waren etwa je 260 km lang und sehr anspruchsvoll vom Streckencharakter her. Beide Touren boten aber auch Aussflugsziele und landschaftliche Reize ohne Ende. Gestartet sind wir zu beiden Touren im Thüringer Vogtland in Greiz. Beide Touren sind gespickt mit Sehenswürdigkeiten, Ausflugszielen und Möglichkeiten für interessante Pausenstops – und nur einen Bruchteil stelle ich hier vor 
Am ersten Tag waren wir im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale, im ehemaligen deutschen Grenzgebiet und im Frankenwald bis nach Kronach unterwegs. Ein angesteuertes Ausflugsziel war Oppurg. Die kleine Gemeinde in Mittelthüringen besitzt ein hübsches Barockschloß. Auf dem Schloßgelände steht auch noch der alte Burgfried der ehemaligen Vorgängerburg. Ein Wahrzeichen Oppurgs ist die alte steinerne Orlabrücke. Der Türkenhof erhielt seinen Namen, weil der Fürstensohn erst weit nach dem Ende des Krieges gegen die Türken wieder heimkehrte und man nicht wußte, ob er es wirklich war. Das Gut war für ihn, Hans den Türken genannten Fürstensohn, erbaut wurden.

Schloß Oppurg mit altem Burgfried
Die Route zu dieser äußerst abwechslungsreichen Tour verlief wie folgt: Greiz – B 92 in Richtung Weida bis Abzweig Hohenölsen, links abbiegen – Hohenölsen, Loitsch, Steinsdorf in Richtung Auma, Staitz, Wöhlsdorf – Auma, B 2 in Richtung Gera bis Abzweig Güttleritz, links abbiegen – Auma, Güttleritz, Triptis – Triptis zur B 281 in Richtung Saalfeld – B 281 Triptis, Miesitz, Neustadt an der Orla, Oppurg, Pößneck, Krölpa, Abzweig Könitz/Kaulsdorf, links abbiegen – Könitz, bei Kamsdorf, Kausldorf, zur B 85, links – B 85 Kaulsdorf, Hockeroda, Probstzella, Ludwigstadt, Pressig, Kronach – Kronach, zur B 173/B 303 in Richtung Naila/Hof – B 173 Kronach, Kreuzberg, Marktrodach, Zeyen, Remitzhof – Remitzhof B 173 nach links in Richtung Steinwiesen/Nordhalben verlassen – Remitzhof, Steinwiesen, Klingersmühle, Kochsmühle, Stoffelsmühle – Nordhalben, Richtung Lobenstein – Rodacherbrunn, Hornsgrün, Neundorf – Bad Lobenstein – zur B 90 in Richtung Saaldorf/Gefell – bei Frössen die B 90 rechts … links verlassen in Richtung Hirschberg – Göritz, Ullersreuth, Hirschberg, Juchhöh – Juchhöh, B 2, links Richtung Gefell/Schleiz – B 2 Juchhöh, Dobareuth, Gefell, bei Schillbach, Zollgrün, Schleiz-Heinrichsruh – Heinrichsruh, Kreisverkehr, rechts in Richtung Plauen – B 282 Heinrichsruh, Langenbach, Mühltroff, Waldfrieden, B 282 nach links verlassen – Waldfrieden in Richtung Ranspach – Ranspach, Oberreichenau, Pausa, Ebersgrün, bei Wolfshain, Dobia, Wellsdorf, Erbengrün, Naitschau – Naitschau zur B 94 in Richtung Greiz – Greiz
Am zweiten Tag fuhren wir wiederum in Richtung Obere Saale und Schiefergebirge, schlugen dann aber den Weg in Richtung des herrlichen Schwarza-Tals ein und erreichten danach nach einer Steilauffahrt den Thüringer-Wald-Kammweg “Rennsteig”. In Hummelshain, zwischen der Orlastadt Neustadt und der Porzellan- und Leuchtenburg-Stadt Kahla, entdeckten wir ein ehemaliges Jagdschloß. Das Gebäude nebst Gelände diente nach Gründung der DDR als Jugendwerkhof. Im Moment steht es leer. Der Park, mehr ein kleiner Wald oder forstbotanischer Garten, und das Schloß selbst, sind ein wenig dem Verfall anheimgefallen. Ein Käufer wird gesucht. Noch hat all die Vergänglichkeit etwas Romantisches. Wenn aber nichts passiert, sieht es nur noch verwildert oder trostlos aus.

Jagdschloß Hummelshain
Wir fuhren weiter ins zauberhafte Schwarzatal. Die Schwarza ist ein Nebenfluß der Saale im Thüringer Wald, in diese mündet sie im Rudolstädter Ortsteil Schwarza. Die Schwarza wurde 2006/07 ausgezeichnet als Flußlandschaft des Jahres und ist zudem der goldreichste Fluß Deutschlands. Auf Nuggets haben wir es aber nicht abgesehen, eher auf Kurvenwedeln auf zwei Rädern

Pause an der "Steinernen Bank" im Schwarza-Tal
Über den Rennsteig bei Neuhaus am Rennweg fuhren wir zurück ins Schiefergebirge bei Lehesten. Das Schiefergebirge hat seinen Namen (ähnlich wie das Erzgebirge vom Erzbergbau) vom hier zahlreich vorzufindendem Schiefergestein und dem damit verbundenen Abbau. Die Thüringisch-Fränkische Schieferstraße erstreckt sich zwischen Thüringer Wald, dem Vogtland und dem Frankenwald. In den stark gefalteten Sedimenten des Erdaltertums entstanden hier Lagerstätten der Griffel- und Dachschiefer. Diese werden schon seit Jahrhunderten abgebaut. Die Landschaft ist vor allem durch den Schiefer geprägt. Man erblickt in mannigfaltig an den Gebäuden dieser Region. Das historische Zentrum des Thüringer Dachschieferbaus befindet sich in Lehesten. Seit Jahrhunderten bildet der Schieferbergbau die Grundlage des wirtschaftlichen Lebens der Stadt. Die Bergstadt liegt auf der Hochfläche „Steinerne Heide“. Zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert begannen die Menschen mit dem Bergbau und machten ihre Stadt über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt. Allein schon beim Durchfahren der umliegenden Orte bemerkt man die Dominanz des Schiefergesteins als Baumaterial. Fast logisch, daß sich hier in Lehesten eine Dachdeckerschule befindet. Im Ort findet man ein Schieferbergbaumuseum und einen sehenswerten Pferdegöpel, den Schieferpark Lehesten und den Altvaterturm auf dem Wetzstein. Als dunkles Kapitel der Stadt findet sich hier in der Gedenkstätte Laura eine ehemalige Außenstelle des KZ Buchenwald. In der Lehest´ner Kirche kann man die wahrscheinlich größte jemals aus einem Stück gehauene Schiefertafel von 7,8 qm Größe bestaunen. Heute werden in Lehesten und Schmiedebach noch der Thüringer Dachschiefer und Werksteine gewonnen und verarbeitet und verkauft. Gleichzeitig befinden sich in den beiden Städten ein Zentrallager und der Versand. Auch in Leutenberg, Probstzella und Unterloquitz beeindrucken bergbauliche Anlagen. Die Orte selbst dokumentieren in anschaulicher Weise das hohe handwerkliche Können der Schieferdecker dieser Region. Der Schiefer verleiht der Landschaft auf vielfältige Weise ihren Charakter: Dächer, Wandverkleidungen, Mauern und Wege sind häufig aus diesem Material hergestellt. Die größten Schiefertagebaue des Europäischen Festlandes und die Schieferhalden, inzwischen wertvolle Biotope und als Naturschutzgebiet ausgewiesen, prägen einzelne Landstriche.
Derart gebildet über das Schiefergebirge und den Ort Lehesten suchen wir den Altvaterturm auf dem Wetzstein auf. Abgesehen davon, daß der Altvaterturm einer der schönsten Aussichtstürme Thüringens ist, hat er auch noch eine andere Bedeutung: Der originale Turm stand auf dem Altvater, dem höchsten Berg des gleichnamigen Nebengebirges der Sudeten. Nach der Vertreibung wurde er vernachlässigt und stürzte Ende der 1950er Jahre ein. Auf dem Lehestener Wetzstein wiederum stand ein Bismarckturm, der die DDR nicht überlebte. Der 1999 begonnene Nachbau des Altvaterturmes soll ein Zeichen setzen: ein Zeichen der Aussöhnung, der Vergangenheitsbewältigung, der Heimat und der Heimatlosigkeit sowie ein Zeichen der Völkerverständigung. Gleichzeitig ist der Turm nebst Gastwirtschaft und Ausstellungsräumen ein Domizil von Vertriebenenverbänden.

Lehesten, Altvaterturm auf dem Wetzstein
Die Route zu dieser äußerst abwechslungsreichen Tour verlief wie folgt: von Greiz bis Neustadt an der Orla fuhren wir wie am Tag zuvor – Ausfahrt Neustadt/West bzw. Kahla, B 281 verlassen – Richtung Kahla – Böthen, Lichtenau, Hummelshain, danach links – Freienorla, Orlamünde, zur B 88, Richtung Rudolstadt – B 88 Orlamünde, Zeutsch, Uhlstädt, Etzbach, Kirchhasel – Rudolstadt – Schwarza – Bad Blankenburg, B 88 nach links verlassen ins Schwarzatal – Schwarzburg, Sitzendorf, bei Neu Leibis links – Unterweißbach, Oberweißbach, Cursdorf, Ziegelhütte – Neuhaus am Rennweg, zur B 281 – B 281 in Richtung Schmiedefeld/Saalfeld über Lichte bis vor Taubenbach – B 281 nach rechts verlassen – Lippelsdorf, Gebersdorf, Gräfenthal, Zopten – Probstzella, zur B 85, rechts … links – Kleinneundorfer Straße – Kleinneundorf, Großgeschwenda, rechts – Wickendorf, Lichtentanne, vor Schmiedebach in Richtung Lehesten – Lehesten, Röttersdorfer Straße zum Wetzstein – Weiterfahrt über Röttersdorf, Oßla und Hasslersberg nach Wurzbach zur B 90 – B 90 über Heinersdorf in Richtung Lobenstein – Lobenstein, Straße der Jugend, Richtung Schleiz – Schönbrunn, Ebersdorf, weiter in Richtung Schleiz/Saalburg – bei Zoppoten, Pöritzsch, Saalburg, Kloster, Gräfenwarth, A 9 kreuzen, Schleiz – Schleiz, Ortsmitte zur B 94 in Richtung Zeulenroda/Greiz – B 94 Schleiz, Lössau, Weckersdorf, Langenwolschendorf, Zeulenroda, Neuärgerniß, Göttendorf, Naitschau, Zoghaus – Greiz
Auch wenn wir nach den 520 Kilometer erlebnisgesättigt waren, möchte ich noch vier Abschnitte vorstellen, die sich gut und gern nach Belieben einbauen lassen und für Motorradfahrer sehr lohnenswert sind
Vier Zusatzvorschläge
Schwarzatal fortführend: Schwarza-Tal ab Bad Blankenburg wie in der Tour oben beschrieben, dann weiter ab Sitzendorf – Neu Leibis – Glasbach – Schwarzmühle – Katzhütte – Neuhaus a. R.
Saalfelder Höhe: B 88, Bad Blankenburg (Ort mit Burg Greifenstein und Falknershow), zur Wirrbacher Straße – Unterwirrbach – Dittrichshütte – bei Witzendorf – Arnsgereuth, zur B 281 – B 281, Schmiedefeld … Neuhaus am Rennweg
Sormitztal: B 90 Lobenstein über Wurzbach und Leutenberg (Bikerherberge) bis zur Kreuzung B 90/ B 85 in Hockeroda
Höhe zwischen Leutenberg und Probstzella: B 90 Leutenberg – Rosenthaler Straße – Hirzbach – Schweinbach – Schlaga – Goßgeschwenda – Kleinneundorf – Probstzella an der B 85

Viel Spaß beim Selbsttest