Ein Kurzurlaub auf Rügen an der Kreideküste und im Nationalpark Jasmund
Sechs Tage Kurzurlaub in Saßnitz im „Fürstenhof“ lagen vor uns. Das Haus ist erbaut im Stil der guten alten Bäder-Architektur. Ein genialer Blick über die Bucht, hinüber nach Binz und zu den Wäldern um Granitz wird uns vom Balkon oder direkt vom Esstisch aus geboten. Ostsee gucken ist im Preis also inbegriffen – rund um die Uhr. Trotzdem wird der Insider denken: Saßnitz als Urlaubsort?

Überfahrt Rügenfähre

Saßnitz, Fürstenhof
Es stimmt: Saßnitz ist im Vergleich zu den traditionsreichen Seebädern kein Badeort im herkömmlichen Sinne. Keine weißen und kilometerlangen Sandstrände – keine endlose Aneinanderreihung von Touristengeschäften, Strandbedarfsartikeln und Straßen-Cafés. Sicher, man könnte in Saßnitz auch baden, es gibt auch einen See-Steg (dem man den Namen Seebrücke verweigert, weil dort kein Schiff anlegt) und es gibt auch eine kleine und überschaubare Strandpromenade. Aber Saßnitz ist und bleibt eine Hafenstadt, eine Stadt der Fischereibetriebe (heute RügenFisch AG) und eine Stadt mit einem Fährhafen nach Skandinavien. Die günstige geografische Lage bescherte der Stadt den Nimbus einer Hafenstadt. Geschützt in der Bucht gelegen und die zusätzlich schützende Hügel- landschaft im Rücken waren ideale Voraussetzungen für den Bau des Hafen. Saßnitz muß mit einer Steilküste und einem relativ schmalen Küstenstreifen leben, der zudem auch noch steinig ist und wenig einladend zu sein scheint. Obendrein macht die bröckelnde Kreideküste immer wieder mit Horrormeldungen über verschüttete Touristen Schlagzeilen. In jedem Fall sollte man wenigstens nach Tauwetter, nach Regenperioden oder bei Sturm die Steilküste meiden. Denn dann ist diese besonders instabil und/oder aufgeweicht. Wenn tonnenschwere Buchen mit Massen an Kreidegestein aus 50 Metern Höhe ins Fallen kommen, ist das alles andere als ein Spaß!

Saßnitz, Stadthafen

Saßnitz, an der Steilküste
Ansonsten kann man sich am Uferstreifen der Kreideküste genauso gedankenversunken beim Suchen nach Fossilien oder nach „Hühnergöttern“ verlieren, wie am Sandstrand bei der Suche nach Muscheln oder nach Bernstein. Und das Laufen auf den rundgewaschenen oder scharf gebrochenen Feuersteinen ist ein ganz eigenartiges Gehen. Das brandende Meer liefert zwischen den Steinen die akustische Begleitmusik. Wer es für sich weniger risikobehaftet haben will, dem empfehle ich den Besuch der Feuersteinfelder zwischen Neu-Mukran und Prora. Durch Sturmfluten der letzten Jahrhunderte haben sich auf 200 Meter Breite und vier Kilometer Länge Feuersteine angesammelt. Zwei bis vier Meter dick ist die Gesteinsschicht, die durch eine spärliche Vegetation einen zusätzlichen Reiz erfährt. Seltene Tierarten fühlen sich hier zu Hause, so zum Beispiel Echsen, Salamander oder Kreuzottern.

Saßnitz, an der Steilküste

Saßnitz, an der Steilküste
Des Weiteren bietet sich Saßnitz an als Ausgangspunkt in den Nationalpark Jasmund mit dem Hochuferweg und den Aussichts-Kreidefelsen „Königstuhl“ und „Viktoriasicht“. Die Insel Rügen (die landschaftlich erstaunlich vielseitig ist) zeigt sich hier von einer völlig ungeahnten Seite, nämlich einem El Dorado für Wanderer und Radfahrer. Die Buchen- wälder Jasmunds und die Kreideküste gehören übrigens zum UNESCO-Weltnaturerbe!

Saßnitz-Jasmund, Hochuferweg

Saßnitz-Jasmund, Kreideküste, Königstuhl, Viktoriasicht
Wir unternahmen unter anderem von Saßnitz aus einen Abstecher nach Binz. Vor 35 Jahren war ich letztmalig dort. Einiges erkannte ich wieder, das meiste jedoch nicht. Und man ist in Binz nirgends zu keiner Zeit allein. Von Binz wanderten wir zum Jagdschloß Granitz, die Wanderung hatte es in sich. Mit der Tschu-Tschu-Bahn zu fahren wäre eine Alternative gewesen. Aber das wollten wir nicht. Das Jagdschloß selbst steckte leider in großangelegten Renovierungsarbeiten. Aber der Turm war begehbar – und der grandiose Blick von oben über die Buchten und die Boddenlandschaften der Insel entschädigt für alle Strapazen. Vorausgesetzt man hat nach der Wanderung noch Kraft für die Turmstufen. Auf dem Rückweg statteten wir dem „Rasenden Roland“ noch einen Besuch ab – der Schmalspurbahn mit Dampflokbetrieb, die seit eh und je die Bäderorte zwischen Putbus einerseits und Sellin, Baabe, Göhren anderseits verbindet.

Binz, Seebad

Binz, Rasender Roland
Außerdem fand in Binz eine Sandskulpturenausstellung zum Thema „Märchen“ statt. Es ist erstaunlich, was man mit dem richtigen Sand und dem nötigen künstlerischen Können alles so machen kann.

Binz, Sandskulpturenschau
Außer dem Nationalpark Jasmund, dem Besuch in Binz und Granitz und der Möglichkeit des Besuches der Feuersteinfelder (die wir wegen einem Tag der Unpässlichkeiten sausen lassen mussten) nutzten wir das, was Saßnitz uns bot: das Flair des Hafens, eine Kutterfahrt entlang der Kreideküste (es geht auch mit einem Fahrgastschiff), die karge Schönheit und den Reiz der Steilküste, das begehbare englische U-Boot (welches im Falklandkonflikt und im Persischen Golf eingesetzt gewesen ist), das ehemalige/alte Fähr-Terminal der Skandinavien-Fähre (die Reederei „Scandline“ hat dort ein Museum eingerichtet) und die Ostsee hatten wir dabei immer direkt vor der Nase. Ein Tip für Theaterfeunde: In Ralswieck, förmlich um die “Ecke”, finden alljährlich in der Saison in einem der außergewöhnlichsten Naturtheater Europas am Jasmunder Bodden die Störtebecker-Festspiele statt. Bei dem Theaterstück um den Ostseepiraten Klaus Störtebecker soll es dabei mit Pulverdampf und Kanonendonner auch so richtig zur Sache gehen.

Saßnitz, alter Fährhafen

Saßnitz, im U-Boot
So greifbar nah und rund um die Uhr zu beobachten wie vom „Fürstenhof“ aus hatten wir die Ostsee bei noch keinem Urlaub. Wenn dann nachts die Orte am gegenüberliegenden Ende der Bucht hell erleuchtet herüberschimmern und eine beleuchtete „Scandline“-Fähre von oder nach Mukran dampft, dann ist das schon etwas für die Augen. Dazu das immer stete Rauschen des Meeres….
Seit Millionen von Jahren gibt es die Ostsee und sie wird uns überdauern. Das Meer ist immer in Bewegung und ruht doch in sich selbst. Vielleicht kann man deshalb so schön abschalten und die Gedanken schweifen lassen.

Saßnitz, Stilleben und Stimmungen

Saßnitz, Stilleben und Stimmungen
Ich sag ja: IMMER WIEDER SCHÖN!!!
Immer wieder schön.
Und nächstes Jahr wahrscheinlich Sellin, Baabe, Göhren …. mal sehen