Eine Motorradausfahrt in verschiedenen deutschen Mittelgebirgsregionen und deren Flusslandschaften: Chemnitz/Mittelsachsen – Thüringer Vogtland und an der Weißen Elster – Ostthüringen – Thüringer Wald und Rennsteig – Ausläufer der Rhön – an der Fränkischen Saale – Spessart und Maintal in Unterfranken – Das “Tor zum Odenwald”, Darmstadt-Dieburg in Südhessen
Bei zwei früheren Besuchen in Babenhausen, Dieburg und Aschaffenburg lernte ich die Region Spessart, Odenwald und Maintal in Südhessen und Unterfranken kennen. Voriges Jahr (2011), im zweiwöchigen Motorradurlaub in dieser Gegend, lernte ich – lernten WIR – diese Region lieben
Rückblick:
Motorradurlaub 2011 in Odenwald und Spessart sowie an Main, Tauber und Neckar: KLICK HIER
Aschaffenburg 2010: KLICK HIER
Burg Frankenstein im Odenwald, 2010: KLICK HIER
Dem interessierten Motorradfahrer kann ich gern Tourmaterial zu einem zweiwöchigen Urlaub in Spessart und Odenwald sowie zwischen Tauber, Main und Neckar als PDF-Datei zukommen lassen. Anforderung über die Kontaktdaten im Impressum dieses Blogs:
Nun aber genug der Rückblicke, ich will von meiner jetzigen Ausfahrt berichten: Seit unserer Ausfahrt zu Pfingsten vor etwa zwei Wochen ging es mit dem Wetter bergab. Regen, Regen und nochmals Regen. Dazu hatte es sich empfindlich abgekühlt und die Wetterberichte der verschiedenen Medien für das jetzige Wochenende konnte man allesamt als Glücksspiel werten. Bei manchen hatte man den Eindruck, daß sie einen Tag später selbst nicht mehr wussten, was sie einen Tag zuvor angekündigt hatten. Also hielt ich es so wie immer: Ich nehme es, wie es kommt und mache mir meinen eigenen Wetterbericht. Als ich am Freitagnachmittag zur ersten Etappe nach Greiz/Daßlitz aufbrach, begann es pünktlich beim Motorrad anlassen zu nieseln.
Es war warm, aber dicke Wolken, die zudem dunkel und bedrohlich tief hingen, beglei- deten mich. Ab etwa Stollberg/Niederdorf begann es kräftiger zu nieseln. Das war aber immer noch Spaß, das sah ich, als ich für 20 Kilometer auf die A 72 fuhr um Zwickau am Freitagnachmittag zu umfahren. Von den Höhen der Autobahn kann man schön in Richtung Westerzgebirge schauen. Dort schien sich das Regengebiet, dessen Rand ich streifte – das ich aber gekonnt umfuhr – so richtig auszutoben. Stellenweise war es schwarz wie die Nacht und hinter dem Regenvorhang war überhaupt kein Gebirge mehr zu sehen.
Sobald ich die Autobahn verlassen und Südwestsachsen erreicht hatte, wurde das Wetter um mich herum freundlich. Ich hatte noch einen Abstecher nach Werdau zu meinen bei- den “Freundinnen” im Copy-Shop vor. Bei den beiden Damen möchte ich bei der Gelegenheit für die seit Jahren zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Ausdrucke bedanken. Außerdem war ich dann wieder auf den bedeutend reizvolleren Landstraßen unterwegs
Von Werdau fuhr ich über Teichwolframsdorf nach Daßlitz bei Greiz. Morgen starte ich hier nach Dieburg. Mittlerweile hatte ich die ersten 100 Kilometer weg, befand mich im Vogtland und hatte die Sächsisch-Thüring´sche Grenze überschritten.
Fahrtroute von Chemnitz bis Daßlitz an der B 92 bei Greiz: Chemnitz, B 169 in Rich- tung Aue/Stollberg – A 72 in Richtung Hof zwischen Stollberg/Nord und Zwickau/West – weiter in Richtung Werdau über Schönfels – Werdau, B 175 in Richtung Weida/Ronne- burg bis Langenbernsdorf – Langenbernsdorf, B 175 nach links verlassen – Teich- wolframsdorf, Kleinreinsdorf, Neumühle an der Weißen Elster – Daßlitz
Am nächsten Morgen in Daßlitz standen dicke Wolken am Himmel. Eigentlich war etwas anderes versprochen worden. Na, egal. Die bepackte Kawa scharrte mit den Hufen, und ich wollte auch endlich los und unterwegs sein. Ich will den Wind spüren und die nasse Erde der Felder und die Wälder riechen. Ich beobachtete im Vorbeifahren die ersten Erdbeerpflücker des Tages auf den Feldern und entdeckte zum ersten Mal dieses Jahr größere Ansammlungen an blühendem Mohn und Kornblumen. Über mir kreiste ein Milan.
Ich hatte freie Fahrt, und das änderte sich auch die gesamten 350 Kilometer nicht. Die Gegend war dünn besiedelt, das betraf das Vogtland in Thüringen genauso wie das Thüringer Schiefergebirge, den Thüringer Wald, das ehemalige innerdeutsche Grenz- gebiet, die Bayrische Rhön, den Spessart – und abgesehen von der Ortsdurchfahrt in Aschaffenburg betraf das auch meine Zielregion Dieburg. Doch ich greife vor . . . Das Wetter hielt bis hinter Saalfeld. Beim Erklimmen der Höhenlagen des Thüringer Waldes in Richtung Neuhaus am Rennweg begann es zu regnen. Das waren aber nur Ausläufer eines Regengebietes, welches sich über dem Thüringer Schiefergebirge östlich von mir austobte und für mich nur ein paar Spritzer übrig hatte
Auf dem Rennsteig, der Kammregion des Thüringer Waldes, war es frisch. Dennoch waren zahlreiche Motorradfahrer unterwegs, die sichtbar Spaß an ihrem Hobby hatten (die wirklichen “Idioten” waren erstaunlicherweise nicht anwesend!). Gern hätte ich dem einen oder anderem Aussichtsturm einen Besuch abgestattet. Auch seltsam anmutende Museen habe ich entdeckt: ein Goldmuseum, ein Olitätenmuseum und ein Murmel- museum. Aber bei 350 Kilometern brauchte ich über solche Zusatzvergnügen nicht nach- zudenken. Mir blieb nur, die Regionen im Fahren zu genießen und die Landschaft förm- lich aufzusaugen – und davon gab es ein Menge! Bekannte thüringer Ortsnamen tauchen auf den Hinweisschildern auf, einige noch vom Heimatkunde-Unterricht der Klasse 1 bis 4 im Gedächtnis gebliebene und mit dem Gefühl verbundene Orte, “die Welt ist soo groß und das ist alles soo weit weg.” Abgesehen vom bereits hinter mir gelassenen Unter- wellenborn und Saalfeld sind das zum Beispiel Sonneberg, Lauscha, Katzhütte oder Scheibe-Alsbach.
Hildburghausen war die erste und bis Aschaffenburg auch die einzige größere Orts- durchfahrt. Die Bebauungen und die Besiedlungsgrenzen auf dieser Tour sind klar ab- gesteckt. Das macht das Fahren über Land äußerst angenehm. Und eh ich mich´s versehe, bin ich im ehemaligen innerdeutschen Grenzgebiet und weiter in Bayern – auch wenn sich die Franken absolut und berechtigt nicht gern Bayern nennen lassen. Aber ich bin nun mal in den Ausläufern der Bayrischen Rhön, und da muss ich es auch so nennen. Fränkische Kur- und Bäderorte reihen sich aneinander und ich erreiche die Fränkische Saale. Das Wetter ist mittlerweile richtig freundlich. Auf dem Rückweg will ich hier gern ein paar Fotos machen. Da wusste ich noch nicht, was das Wetter mit mir vorhaben wird und ich keinen Fotoapparat auspacken werde
Langsam war ich wieder reif für eine Pause und fuhr den nächstbesten Parkplatz raus. Nun ja, ein Parkplatz wie jeder andere, dachte ich und drehte mich um – und hatte genau über mir die Ruine der Trimburg. Wo war die so plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Gelesen hatte ich das Schild, aber ich hatte sie nicht gesehen. Eine Truppe deutscher und holländische Motorradfahrer (und auch Motorradfahrerinnen) starteten in dem Moment, als ich ankam. So war der ganze Parkplatz “mein”.
In Hammelburg wollte man mir die Hammelbeine langziehen. Also machte ich, daß ich schnell weiterkam
Der Spessart war die nächste Region und ich begann, auf den Urlaubsspuren von 2011 zu wandeln. Erinnerungen an einen der schönsten Urlaube kamen dabei hoch. Ich erreiche Gemünden am Main, später am Main entlang Lohr, und dann geht die B 26 in die “Hochspessart-Straße” über. Da ich nicht so der “geistes- abwesende Heizer” unter den Bikern bin, sondern der Tourenfahrer schlechthin (und trotzdem kein Hutfahrer auf zwei Rädern!), wähle ich sehr oft kleine und kleinste Seitenstraßen, die oftmals ihre Reize im Verborgenen haben. Die B 26 wiederum ist eine B-Straße, die man zwischen Schweinfurth, Aschaffenburg und Darmstadt getrost empfehlen kann. Kurvenreich, viel Natur, der Main und wunderbar zu befahren nutze ich die B 26 zwischen Gemünden und Dieburg. Bei Aschaffenburg habe ich die Wahl, A´burg auf der Autobahn zwischen AB-Ost und Stockstadt zu umfahren, oder die Orts- durchfahrt auf der B 26 zu wagen. Da die Hauptverkehrszeit des Tages vorüber war, wählte ich die Ortsdurchfahrt. Denn soo schön ist die Autobahn in Richtung Frankfurt auch nicht. Meine Entscheidung war kein Fehler, ich habe A´burg schnell durchquert. Auf der Mainbrücke grüßte mich von links das mächtige Schloß Johannisburg.
Das letzte Tourstück war jetzt nur noch ein Klacks. Ich überschritt die Bayrisch-Hessische Landesgrenze und erreichte Babenhausen. Auf der Weiterfahrt nach Dieburg sah ich links (südlich) von mir am beginnenden Odenwald den Otzberg mit der Veste Otzberg. Ich nehme mir vor, wenn mir meine Besuche in Dieburg und Babenhausen die Zeit einräumen, eine kleine Odenwaldrunde zu drehen und den Otzberg zu besuchen. Zu dieser Tour dann später
Für heute ist erst einmal Schluß. Es reicht. Mit Umleitung waren es 350 Kilometer. Ich bin in Roßdorf-Gundernhausen angekommen.
Fahrtroute von Daßlitz bei Greiz bis Roßdorf-Gundernhausen bei Dieburg: Daßlitz bei Greiz, B 92 in Richtung Gera, Weida – Weida – B 175 in Richtung Saalfeld, Groß- ebersdorf – Großebersdorf – B 2 in Richtung Schleiz, Saalfeld – Mittelpöllnitz – B 281 in Richtung Saalfeld: Triptis, Pößneck, Saalfeld, weiter B 281: Neuhaus am Rennweg, Eisfeld in Richtung Hildburghausen – bei Eisfeld zur B 89 in Richtung Hildburghausen – Hildburghausen – B 89 verlassen, Hildburghausen, Marienstraße, Römhilder Straße – weiter in Richtung Bad Königshofen – Bad Königshofen, Kurpark, Marktplatz – weiter in Richtung Merkershausen, Münnerstadt – Merkershausen – Klein- und Großbardorf – Groß- und Kleinwenkheim – bei Brünn, bei Althausen – Münnerstadt, zur B 287 – B 287 in Richtung Bad Kissingen – Nüdlingen – Bad Kissingen, Ortsdurchfahrt B 286 und B 287 – nach der Brücke weiter B 287 in Richtung Hammelburg – Euerdorf, Machtils- hausen, bei Langendorf, bei Fuchsstadt – Hammelburg umfahren zur B 27 – B 27 in Richtung Gemünden, Lohr – Gemünden am Main – zur B 26 in Richtung Lohr, Aschaffenburg – B 26 bis Dieburg
Zur Rückfahrt möchte ich mich nur soviel äußern: Die Route war ja an sich fast identisch – aber nicht das Wetter. Meine Hoffnung, dem schlechten und von Südwest nach Nordost aufziehenden Wetter in Dieburg und Babenhausen noch davonzufahren, zerschlug sich spätestens im Spessart. Eigentlich regnete es ab Start am Gasthof am Morgen. Aber richtig geregnet hat es im Spessart. Noch eine Schippe drauf legte das Wetter in der bayrischen Rhön und im Thüringer Wald. Zudem war es am Rennsteig empfindlich kühl. Ein wenig Hoffnung hatte ich auf die dem Wetter abgekehrte Seite des Thüringer Waldes ab Saalfeld. Aber mittlerweile war das Regenwetter auch hier angekommen. Die Krönung waren die letzten 15 Kilometer im Thüringer Vogtland bei einem Wolkenbruch zwischen Weida und Greiz, wo ich über Nacht blieb.
Wenn man über 350 Kilometer so permanent hochkonzentriert unterwegs ist, um auf zwei Rädern nur keinen Fehler zu machen, das strengt unheimlich an. Ich war fertig! Dabei kann ich nicht mal sagen, daß es schlecht zu fahren war. Aber wie gesagt, unheimlich anstrengend. Das seit zwei Wochen anhaltende Wetter mit Nässe und Kälte – dessen Ende noch nicht in Sicht ist – hat mit Sommer und Juni nichts zu tun. Und mit Motorradwetter auch nicht. Aber ich glaube nicht, daß ich mich zwischen regensprühenden LKWs auf der Autobahn besser aufgehoben gefühlt hätte.












